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Die amerikanische Weizenproduktion / von Friedrich Kapp
Entstehung
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männisch zu venverthen. So entstanden denn auch bald blühendeNiederlassungen in Gegenden, welche einige Monate zuvor kaumder Fufs eines Weifsen betreten hatte, so dehnte sich, währendder europäische Gläubiger sein Geld verlor, das Getreidegebietmit jedem Jahre weiter in den Westen hinein aus. Denn diewerthvolle Verbindung der westlichen Pioniere mit den Märktendes Ostens wirkte gleich einer auf ihre landwirtschaftlichen Er-zeugnisse ausgesetzten Prämie und war ihnen mehr werth alsdie günstigste Tarifbestimmung. Dazu kommt, dafs die ganz undhalb bankerotten Bahnen viel billigere Frachtsätze stellen konnten,als die zahlungsfähigen, weil sie keine Dividenden zahlten undnur ihre Betriebskosten aufzubringen brauchten.

Die nordamerikanische Union enthält innerhalb ihres jetzigenausgedehnten Gebietes, besonders im Westen und Nordwesten,die vortrefflichsten Weizen- und überhaupt Getreideländereienin so grofsem Umfange, dafs es unmöglich ist, innerhalb dernächsten Menschenalter dem Anbau derselben irgend welcheL äufserliclie Grenze zu ziehen. Die Zahlenangaben sind zu unbe-stimmt und die Schätzungen zu schwankend, als dafs sich mehrdenn eine annähernde Vorstellung von der landwirtschaftlichenZukunft geben liefse. Die Vereinigten Staaten besitzen zwarnoch in runder Zahl über 1400 Millionen Acker vermessenenund unvermessenen Landes (ohne Alaska); indessen beweist diesehohe Zahl gar nichts für den Weizenbau, weil einmal Steppen,Wüsten, Seen, Berge und Flüsse nicht davon abgezogen sind,dann aber eine genaue Uebersiclit der Weizenländereien sich nuraufstellen liefse, wenn es möglich wäre, jede einzelne SektionLandes auf ihre Produktionseigenschafteu hin zu prüfen. VomDominion of Canada. wissen wir bis jetzt so gut wie gar nichts,obwohl seine westlichen Grenzen besonders reich an Weizen-ländereien sind. Allein wenn man auch noch so niedrig greift,so ergiebt sich doch immerhin ein so grofses, der Bebauungharrendes Weizengebiet, dafs für die nächsten Menschenalterseiner räumlichen Ausdehnung schwerlich ein Hindernifs in denWeg treten dürfte. Zur Zeit wird das Areal des mit Weizenbebauten Bodens auf rund 32 1 / 3 Millionen Acker geschätzt. Nehmenwir einen sehr bescheidenen Mafsstab an und rechnen wir, dafseinschliefslich Canadas nur noch drei Mal so viel Weizenbodenvorhanden sei, als gegenwärtig in Kultur steht, so erhalten wir