zufügen, schliefslich kann er indessen nur zur Vernichtung seinerselbst, aber nicht des Farmers führen und einen ganz neuen Auf-schwung der Bodenbebauung anbahnen.
Es ist überhaupt der grosse Fehler der amerikanischen Land-wirtschaft, dafs sie mit möglichst geringer Arbeitskraft sicheinen möglichst hohen Ertrag zu sichern sucht und deshalb denBoden nur oberflächlich ausbeutet und allmälig ganz zu Grunderichtet. Die Zinsen des Kapitals, welches in seinem Grundbesitzangelegt ist, kommen namentlich im Westen kaum oder gar nichtin Betracht, die Arbeit dagegen macht fast allein die Produktions-kosten aus; an ihr mufs also gespart werden. Fast nirgend findetsich deshalb auch selbst im Norden und in den älteren Staatenein rationeller Ausgleich für die Ausgabe und Einnahme derBodenkraft. Der Farmer sucht sich wohl durch Fruchtwechseldie Ertragsfähigkeit des Bodens zu sichern, allein er hält denDünger für zu theuer oder läfst ihn meist müfsig zu Grundegehen. Geringer Boden kann fünf, besserer zehn, der besteschwarze Tieflandboden zwanzig Jahre ohne Dungzufuhr aus-genutzt werden. Gewöhnlich wird aber viel weiter gegangen unddas Land endlich in einem erschöpften Zustande verlassen.*)Nur in den ältesten östlichen Staaten giebt es Düngergrubenund Jauchebehälter. In Virginien liegen Hunderttausende vonAckern unbearbeitet, nachdem sie durch Jahrzehnte langen Ta-backsbau ruinirt sind, in den südlicheren und südwestlichenStaaten finden sich ebenso grofse, jetzt von Gestrüpp bedeckteStrecken, welche durch den Baumwollenbau erschöpft sind, inden Neu-England -Staaten läfst man alte, weil unergiebige Farmenbrach liegen und verwildern und selbst in den neuen westlichenStaaten, wie z. B. Jowa, wollen schon jetzt Mais und Weizenohne Düngung nicht mehr fortkommen. «Wir begehen den Irr-thum» — sagt Herr Ernst Theo. Gennert, der Direktor der Runkel-rübenzuckerfabrik in Portland in Maine, über die amerikanische Erndte von 1877 — «uns als eine landwirtschaftlich prosperirendeNation zu betrachten, weil wir Jahr auf Jahr die Erzeugnisseunseres Landes nach Europa verschicken, bis wir schliefslich am
*) Die Vereinigten Staaten von Nordamerika (soll lieifsen Amerika ) vonFriedr. Ratzel, München 1880, II, p. 245, in welchem vortrefflichen Werkeder Leser die näheren Ausführungen über Landwirthschaft und Bodenverhält-nisse auseinandergesetzt findet.