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in der Besiedlung des Landes; seine allmäligc Entwicklung undsein theilweises Absterben treten uns Mer sogar im vollenLiebte der Tagesgescbichte entgegen und bieten eine bis in dieEinzelnlieiten zutreffende Analogie für die neueste Phase desRaubbaues. Die südlichen Pflanzer kannten nur das eine Hauptziel,den Boden bis zu seiner äufsersten Produktionskraft auszusaugen.Natürlich mufsten sie in Ermangelung jeder rationellen Wirth-schaft stets neue Strecken Landes zur Ausbeutung zu gewinnensuchen. Nichts fesselte sie mit ihrem werthvollen, aber leichtbeweglichen Sklaveneigenthum an die Scholle. Während derkleine, rationell wirtschaftende Landmann sich selbst Grenzenzieht und den Stolz seines Schaffens in die Verbesserung undVerschönerung seines Besitzes setzt, verliefs der Sklavenhalterseine ausgesogenen Felder mit derselben Leichtigkeit, mit welcherder barbarische Germane die abgegrasten Weiden mit frischenvertauschte. Die ehemaligen amerikanischen Sklaveustaaten be-durften, je ärmer sie an innerer Entwicklung waren, je schneller sieden nie ausruhenden Boden erschöpften, einer um so rascheren Ent-wicklung nach Aussen, einer stets gröfseren Annexion neuer Ge-biete. Diese <• manifest destiny» Theorie der amerikanischenPseudo-Demokratie war deshalb auch keine vorübergehende oderblofs zufällige Laune, sondern eine vom Selbsterhaltungstriebegebotene innere Nothwendigkeit, vor welcher alle rechtlichen undmoralischen Bedenken verstummten. Im Einklänge mit diesemGesetze der südlichen Entwicklung wurden denn auch die Indianeraus dem Lande ihrer Väter vertrieben, Florida und Texas an-nektirt, blutige Kriege geführt und sogar die lüsternen Augennach Cuba und Central-Amerika geworfen, im Innern aber dieneuen Territorien und Staaten gewaltsam der Sklaverei zu sicherngesucht, bis sich endlich deren täglich heftiger andringendeWogen an dem geeinigten Widerstand des wirtschaftlich ge-sundem und entwickeltem Nordens brachen.
Es leben noch unzählige Zeitgenossen, welche diese auf-steigende und herabsteigende Entwicklung von Anfang bis zu Endedenkend und handelnd mit erlebt und beobachtet haben, wie dieSklavenhalter, welche in dem ausschliefslichen Im- und Exportder südlichen Stapelartikel zugleich das Kapital für ihren Ge-schäftsbetrieb ausgaben, nach besserm und frischem Lande suchend,von Osten nach Westen vordrangen, aber Verfall und Ruin hinter