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den Teutschen der vorhergegangenen Generationen mit ihremKosmopolitismus zu sehr daran und an nationalem Selbst-gefühl gefehlt habe, und daß man ihnen darin nachhelfen müsse.Es ist ihm nur zu gut gelungen. Daher auch sein Bestreben,sie in Nebensachen nach dieser Richtung hin aufzustacheln, z. B.in seiner Proskribirung der lateinischen Lettern, welche zu zweck-und schönheitSwidrigeu Uebertreibungen führte, wie die, daßdie bis dahin mit lateinischen Buchstaben gedruckten Publikationender Akademie mit Bänden gothischer Schrift unterbrochen werdenmußten. Einmal war ein statistischer Foliant nach altem undvernünftigem Brauch lateinisch fertig gedruckt. Als er ihm, derihn doch gewiß nicht persönlich zu prüfeu hatte, vorgelegt werdensollte, erschraken die Untergebenen vor seinem Grimme undließen den ganzen theuren Band Umdrucken und dann ver-nichten. Bekanntlich sind die sogenannten lateinischen Letternwomöglich noch echter deutsch als die gothischen, und die Ge-brüder Grimm , gewiß keine schlechten Teutschen, bedienten sichihrer. An AuSsällen gegen die Franzosen fehlte es bei ihmnicht-, auch gegen die Engländer geht er zu ihm gelegener Zeitdamit los. Gleichwohl bemerkt er selbst in seinen „Erinnerungen",er habe eine gewisse Vorliebe sür das Englische gehabt; unddao ist bei ihrer Mannhaftigkeit ganz denkbar. An den Fran-zosen war ihm das Pathetische und Phraseologische zuwider.Das tritt besonders in den Dialogen mit den sranzösischenUnterhändlern in Versailles hervor, wogegen er sich in Frank-furt und Berlin mit dem sachlichen und derben normännischenSpinner und Schutzzölluer Pouyer-Quertier, der ihm sogar imPokulireu Stand hielt, recht munter verstand. Für die kleineAesthetik des Lebens, wie sie die Franzosen verstehen, hatte erkeinen Sinn (aber ebeusv wenig für die grvße klunst). Eswurde einmal bei Tisch erzählt, Roon habe sich für sein Land-gut Gütergotz sehr schöne Möbel angeschafft, worauf er sagte:er habe im Allgemeinen bemerkt, daß Leute, die viel auf schöneMöbel hielten, schlecht zu essen pflegten. Um wirklich dieFranzosen schlechthin zu verabscheuen, hatte er viel zu viel vomsranzösischen Esprit. Kein Anderer hätte es wagen dürfen, inparlamentarischen Reden so viel französische Ausdrücke uud Weu-