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düngen zu gebrauchen, wie er, der ein so elegantes Französischsprach und schrieb, ohne von unseren Oberteutonen gesteinigtzu werden. — In der That war einer der merkwürdigsten Zügeseines Wesens, das; in ihm — etwas sehr Seltenes — so vielGeistreichigkeit mit so viel praktischem Sinn zusammenging. Wiedie Franzosen ihn für ihren Gegner ans Stimmung hielten, sohaben ihn vielfach auch die Juden für einen Antisemiten ge-halten, ebenfalls meines Erachtens irrthümlich, aus obeu ge-schilderten allgemeinen Gründen. An dem Auskommen des Anti-semitismus der Stöcker und Treitschke war er unbeteiligt. Aberes gehörte zu seiner Methode, ein Geschoß, das ihm Andere ge-schmiedet, nicht von der Hand zu weisen, es für vorkommendeFälle in seinem Arsenale niederzulegen, es bald zur Einschüchterung,bald zur Herabsetzung eines Gegners zu verwerthen. Als Frieden-thal sich vom landwirtschaftlichen Ministerium zurückzog, weiler den mit den Getreidezöllen eingeleiteten agrarischen Feldzugnicht mitmachen wollte, nannte er ihn, wie man sich im Foyerdes Reichstages erzählte, im vertrauten Kreise einen semitischenHosensch—r. Busch thut seiu Möglichstes, um Biomarck alseinen Antisemiten seinesgleichen hinzustellen. Aber es gelingt ihmuicht, so oft er auch versucht, ihn dazu zu bekehren; nämlich: Buschselbst trieft von Antisemitismus. Es wäre auch schade und un-begreiflich, wenn dieser edlen Seele ein so ganz zu ihr stimmenderCharakterzng gefehlt hätte. Wo es gilt, Einen bei seinem Herrnschlecht zn machen, ist immer das erste, daß er meint, derselbesei wohl ein Jude, z. B. Nickert, von dem es sogar Bleichröder als klassischer Zeuge bescheinigt haben sollte. Es ist merkwürdig,daß nicht auch Stvsch dessen vou ihm angeklagt wurde; mit derKaiserin Augusta müßte es schon schwerer geworden sein.
Auf der Höhe seiner Mission, in der aufsteigenden Periode,beherrscht das Große, in der absteigenden das kleine sein Augen-merk. Selbst an der Hand von Buschs Tagebüchern läßt sichdas verfolgen. Tas letzte Jahrzehnt, der Bismarckschen Herr-schaft, das immer mehr kleinliche VerfolgungSsucht entfaltete,spiegelt sich damit auch in dieser Relation ab. Im Jahre 1870,als die Nachricht nach Versailles kam, daß Johann Jakovy vomGeneral Bogel v. Falckenstein auf die Festung gebracht worden,
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