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Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Weil er sich gegen die Erwerbung von Elsaß-Lothringen ausge-sprochen, mißbilligte Bismarck diese ganz überflüssige Härte undUngerechtigkeit noch ganz entschieden, weil sie nutzlos böses Blutmachen werde. Man vergleiche damit den Feldzug, der losging,als im Oktober 1888 ein Stück des Tagebuchs Kaiser Friedrichsveröffentlicht wurde. Im Grunde giug aus diesen EnthüllungenBismarck durchaus nicht zu seinen Ungunsten hervor. Für daskühle Politische zeigte er sich als den Ueberlegenen. Die vor-sichtige Taktik, mit der er die Einigungsfrage und die dynastischenSchwierigkeiten behandelt wissen wollte, entsprach der Noth-wendigkeit der Lage. Auf der anderen Seite muß mau demdamaligen Kronprinzen die Ehre lassen, daß er das Drängender Nation, welches schließlich seinen Druck auf Bismarck undKönig Wilhelm ausübte, in sich verkörperte, und in der Diagonaleder Kräfte, aus denen das Deutsche Reich entstand, hat gewißauch dieses Element mitgewirkt. Für den Unbefangenen kamdurch die Publikation des Tagebuchs weder das Reich uochBismarck zu Schaden. Aber der Kronprinz hatte für sich diePriorität des Gedankens, das eiserne Kreuz auch den Süd-deutschen zu verleihen, und den Eifer für die innere Verwerthungder Siege in Anspruch genommen. Es steht außer ^Weisel , daßdies der Wahrheit entspricht. Die in denErinnerungen" ge-gebene Version, daß der Kronprinz die Degradirung der Königezu Herzögen und den deutschen Königstitel für Preußen vorge-schlagen habe, mag vielleicht einmal gesprächsweise eingeflvchtenwurden sein. Aber, wie schon in der Presse hervvrgehvbenwurde, bezeugt Gustav Freytag iu seiner den Kronprinzen gewißnicht verschönernden Schrift, daß dieser schon nach Weißen bürgund Wörth das Kaiserthuin verlangt habe. In Versailles , wvder Kronprinz wegen der Energie seines Auftretens in den be-kannten Zusammenstoß mit Bismarck gerieth, war sicherlich nurhiervon die Sprache und von nichts Anderem. Aber diese Dar-stellung der Sache betrachtete Bismarck schon als eine unerhörteMissethat. Mit welcher Wuth stürzte er sich auf das Tagebuch desunter so tragischen Umständen dahingegangenen Souveräns! Da-mals ließ er sich wieder einmal den schon mehrmals wegen Jndis-kretivn verschiedener Art bei ihm in Ungnade gefallenen Busch sofort