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kommen. Man muß im dritten Band des englischen Buchesdie genaue Beschreibung des ganzen Herganges lesen , wieer sich mit diesem so tief unter ihm stehenden Gehilsen auf denkameradschaftlichen Bertrauensfuß setzt, um den Plan diesesVorgehens in allen Details mit ihm zu verabreden. Zunächstschlägt Bismarck vor, das verfolgte Schriftstück für unecht zu er-klären, ein altes Stratagem journalistischer Polemik, um dasMachwerk eines aus kriminalrechtlicher Vorsicht unangreifbarenAutors als ein unechtes zu singiren. Zwar betont er Buschgegenüber von vornherein, daß das Tagebuch ohne Zweifel echtist (wer konnte auch nur einen Augenblick darüber in Ungewiß-heit sein!), aber — schadet nichts, wir fangen den Entrüstungs-vvrstvß damit an, daß wir die Echtheit für unglaubhaft erklären.Wenn diese Hypothese sich nicht länger wird halten lassen,schieben wir ein neues System ein. Die Hypothese der Fäl-schung liegt auch dem bekannten Jmmediatbericht zu Grundeund wird sogar noch in den „Erinnerungen" fingirt. Dasneue System war dann das der Behauptung, daß die Veröffent-lichung Landesverrath sei, weil sie — längst überwundene —Pressionen eines verstorbenen deutschen Fürsten gegen anderelängst versöhnte deutsche Fürsten enthüllte. Und nun vergleicheman mit der daraufhin eingeleiteten Verfolgung gegen denschwachen, alten, kranken Geffcken die nachträglich von Friedrichs-ruh 1896 in die Welt geschleuderte Enthüllung des sogenanntenRückVersicherungsvertrages mit Rußland gegeu Oesterreich unddessen denkbare Wirkung auf alle auswärtigen freundlichen undfeindlichen Mächte! So verschieden konnte der persönliche Stand-punkt das Verhalten des gewaltigen Mannes beherrschen, dessenungezügelte Subjektivität mit den Jahren immer mehr ihrenallereigcnsten Impulsen folgte. Wenn man — namentlich imdritten Band des Werkes von Busch — die lebendige Beschrei-bung dieses Hergangs liest, muß man anerkennen, daß er zurSchilderung der Bismarckschen Individualität einen nicht un-wesentlichen Beitrag geliefert hat. Buschs Werk gleicht aller-dings seinem Verfasser, aber, da der Meister ihn zu sich empor-gehoben hat, gleicht es auch in etwas dem Meister. Die unbe-grenzte Dankbarkeit des Berichterstatters für die schrankenlose