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Vertrauensstellung, die ihm der hochstehende Mann gewährte,hat uns die kleinsten Einzelheiten jedes Moments aufbewahrt;wie er ihm guten Tag gesagt, die Hand geboten, welche Stiefeler bei dieser Gelegenheit an den Füßen gehabt, wie er ihnausgezankt, verleugnet, fortgeschickt und wieder hereingeholt hat;wie er ihm vorschreibt, von Friedrichsruh nach Hamburg aufvierundzwanzig Stunden zu verschwinden, damit Kaiser WilhelmII.ihn nicht bei ihm sehe — das Alles erfahren wir mit einer— man kann wohl sagen — entzückten Ausrichtigkeit und Ge-nauigkeit. Bei Gelegenheit der Hetze gegen das Tagebuch KaiserFriedrichs behält er ihu lange bei sich im Schloß zu Friedrichs-ruh und schüttet ihm ganze Truhen von alten Briefen blind-lings in den Schooß, damit er sie in sein Zimmer trage. Daswiederholt sich später noch einige Male, und gründlicher. Immerwieder von Neuem bis zum Jahre 1892 werden Ladungen vonallerhand Papieren unbesehen Busch auf sein Zimmer gegeben,damit er sie sortire und katalogisire. Wie konnte dabei zweifel-haft bleiben, daß der Empfänger diese Aktenstücke auch zu seinerPrivatschriftstellerei ge- und mißbrauchen werde! Bismarck hatteja mehr als einmal die Ersahrung davon gemacht, sich überdie Indiskretionen beklagt, die heimlich unter dem Tisch ge-machte Notizen ihm bereiteten. Man muß Bnschs ausführlicheSchilderung über die Entstehung seines im Jahre 1884 Pubii-zirten Buchs „Unser Reichskanzler" lesen. Er ließ Bismarckvon A bis Z mitarbeiten. Der streicht und setzt zu — einelange, weitläufige Arbeit. Tann, als es fertig geworden, hatteer doch einen Schrecken. Busch fiel wieder einmal in Ungnade,wie schon oft vorher. Während einer solchen Zwischenperiodeder Ungnade hatte, wie mir ein unbedingt zuverlässiger Freundund alter Parlamentarier schreibt, Busch einmal der FirmaBrockhaus einige Bände Unterredungen mit Bismarck zum Ver-lag angeboten. Es waren das seine Stenogramme der nächt-lichen Auslassungen Bismarcks, die alle mit dessen Zustimmungfixirt worden waren. Auf Veranlassung meines selbigen Freundesließ Brockhaus durch einen Herrn W. bei Bismarck an-fragen, ob derselbe etwas gegen die Publikation einzu-wenden habe, was er anscheinend gleichgültig verneinte.