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Ministerium seine Aufgaben erleichtern, denn er befinde sichprinzipiell im Widerspruch mit demselben; seine Prinzipien unddie, welche nach seiner Meinung jeder Regierung zum Leitsterndienen sollten, wären die einer loyalen Verwaltung uud Aus-legung der Verfassung, Achtung und guter Wille sür ein Volk,das leicht zu sühreu, intelligent und besähigt sei; er könne diePolitik, welche in den Preßordonnanzen enthalten sei, nichtmit diesen seinen Prinzipien ins Einvernehmen setzen. Aller-dings suche Bismarck ihm den verfassungstreuen Charakter jene?'Reskripts nachzuweisen und versichere ihn, das; er und seineKollegen sich ihres Eides wohl erinnerten; er denke aber, daßdie Regierung eines stärkeren Fundaments bedürse, als diehöchst zweifelhafte Auslegung, welche sich nicht an den gesundenMenschenverstand des Volkes wende. Er — Bismarck — berufesich auf den Umstand, daß auch seine Gegner die Ehrlichkeitseiner Ueberzeugung respektirten; er wolle die Nichtigkeit dieserBeyauptung nicht näher untersuchen, wozu Bismarck am Randebemerkt: „Nicht gar zu höflich." Wie wolle das Ministeriumdie öffentliche Meinung auf seine Seite bringen, wenn dasLand in feinein Verfahren keine loyale Behandlung der Ver-fassung erblicke! Es fände kein anderes Mittel, als ihm Still-schweigen aufzuerlegen, lind welchen Erfolg könne man davonerwarten? Er wolle iym seine Meinung darüber sagen: erwerde so lange an der Verfassung herumdeurcn, bis sie jedenWerth in den Augen des Volkes verliere, bis es zuletzt zueinem offenen Bruch mit der Verfassung komme. Dazu bemerktBismarck am Rande: „Vielleicht!" Er betrachte die, welcheseinen Vater zu solchem Vorgehen verleiten, als höchst gefähr-liche Nathgeber für die Krone und das Land, wozu Bismarckbemerkt: „Leicht fertig ist die Jugend mit dem Wort." Unterdiesen Umständen habe er begehrt, von allen Sitzungen desMinisteriums frei zu bleiben; eine sortgesetzte öffentliche undpersönliche Manisestirung der Gegensätze zwischen ihm und demMinisterium würde weder seiner Stellung, noch seiner Neigungentsprechen — wozu Bismarck bemerkt: „Absalom!" Schließlichbehält er sich vor, wenn die Dinge so weiter gehen, von Neuemvor die Öffentlichkeit zu treten, wenn seine Pflicht es ihmgeböte, wobei Bismarck an den Rand fetzt: „Nur zu!"