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Bismarck posthumus / von Ludwig Bamberger
Entstehung
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Ministerium seine Aufgaben erleichtern, denn er befinde sichprinzipiell im Widerspruch mit demselben; seine Prinzipien unddie, welche nach seiner Meinung jeder Regierung zum Leitsterndienen sollten, wären die einer loyalen Verwaltung uud Aus-legung der Verfassung, Achtung und guter Wille sür ein Volk,das leicht zu sühreu, intelligent und besähigt sei; er könne diePolitik, welche in den Preßordonnanzen enthalten sei, nichtmit diesen seinen Prinzipien ins Einvernehmen setzen. Aller-dings suche Bismarck ihm den verfassungstreuen Charakter jene?'Reskripts nachzuweisen und versichere ihn, das; er und seineKollegen sich ihres Eides wohl erinnerten; er denke aber, daßdie Regierung eines stärkeren Fundaments bedürse, als diehöchst zweifelhafte Auslegung, welche sich nicht an den gesundenMenschenverstand des Volkes wende. Er Bismarck berufesich auf den Umstand, daß auch seine Gegner die Ehrlichkeitseiner Ueberzeugung respektirten; er wolle die Nichtigkeit dieserBeyauptung nicht näher untersuchen, wozu Bismarck am Randebemerkt:Nicht gar zu höflich." Wie wolle das Ministeriumdie öffentliche Meinung auf seine Seite bringen, wenn dasLand in feinein Verfahren keine loyale Behandlung der Ver-fassung erblicke! Es fände kein anderes Mittel, als ihm Still-schweigen aufzuerlegen, lind welchen Erfolg könne man davonerwarten? Er wolle iym seine Meinung darüber sagen: erwerde so lange an der Verfassung herumdeurcn, bis sie jedenWerth in den Augen des Volkes verliere, bis es zuletzt zueinem offenen Bruch mit der Verfassung komme. Dazu bemerktBismarck am Rande:Vielleicht!" Er betrachte die, welcheseinen Vater zu solchem Vorgehen verleiten, als höchst gefähr-liche Nathgeber für die Krone und das Land, wozu Bismarckbemerkt:Leicht fertig ist die Jugend mit dem Wort." Unterdiesen Umständen habe er begehrt, von allen Sitzungen desMinisteriums frei zu bleiben; eine sortgesetzte öffentliche undpersönliche Manisestirung der Gegensätze zwischen ihm und demMinisterium würde weder seiner Stellung, noch seiner Neigungentsprechen wozu Bismarck bemerkt:Absalom!" Schließlichbehält er sich vor, wenn die Dinge so weiter gehen, von Neuemvor die Öffentlichkeit zu treten, wenn seine Pflicht es ihmgeböte, wobei Bismarck an den Rand fetzt:Nur zu!"