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Bon Putbus aus schickte der Kronprinz eine ausführlicheDenkschrift an seinen Vater znr Beleuchtung seines Perhaltens,die König Wilhelm dem Ministerium mittheilt. Die Denkschriftfindet sich weder in den „Erinnerungen", noch bei Busch, aberin beiden ist ein Aktenstück bruchstückweise wiedergegeben, inwelchem Bismarck Punkt für Punkt die dreizehn Seiten der-selben widerlegt. Die AuSzüge Buschs sind jedoch viel voll-ständiger als die Bismarcks, uud man muß zugeben, daß vomstaatsrechtlichen Standpunkt aus die Einmischung des Thron-erben in die Negierungs-Angelegenheiten des Herrschers unddessen Beziehungen zu seinem Ministerium meisterlich widerlegtist, wenn auch in der Sache selbst der redlichen Ausfassung desKronprinzen und seinem offenen Auftreten alle Anerkennunggezollt werden muß. Natürlich sucht Bismarck in seinen „Er-innerungen" hinter dem ganzen Verhalten nur englischen Ein-fluß, die Königin Augusta, die Kronprinzessin und alle ibreRathgeber.
Da in jüngster Zeit die Gesinnnngsweise des Herzogs Ernst vonCvburg gelegentlich der Krisis von 1866 vielfach in der Presseerörtert worden ist, ist es interessant, einen Brief Bismarcksan den König vom >'!, April 1866 zu lesen, in welchem jenersehr schlecht wegkommt. Bismarck räth, nicht zu antworten nndschreibt^ „Eure Majestät haben mir befohlen, mich darüberauszusprechen, ob der hierbei zurückgehende Brief des Herzogsvon Coburg beantwortet werden soll. Ich nel>me mir dieFreiheit, die Thatsache in Erinnerung zu briugeu, daß derHerzog von Coburg in den letzten vier Iabren an allenIntriguen gegen Eure Majestät in der inneren und auswärtigenPolitik betheiligt war. Er hat reichlich dazu beigetragen, daßmittelst seines Geldes und Einflusses möglichst viel demokratischeAbgeordnete gewählt wurden; er hat sich mit Gesellschaftenzu Volksbewaffnungen in Verbindung gesetzt uud eiue solcheStellung gegen die Monarchie genommen, daß Eure Majestätihm einen langen Bries darüber schrieben und einen Besuchvon itzm ablehnten, weil er einen schlechten Eindruck aufdie Armee machen würde. Der Herzog mit seinen GehilsenSamwer und Francke ist der Leiter der preußenseindlichen