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rein -wissenschaftlichem Standpunkte zu bekämpfen; er zeigt unver-kennbar die facies hippocratica eines zu Grabe gebenden Systems.Der beste Beweis dafür ist, dass die Vertheidiger in der Regel dasPrinzip selbst preisgeben, als solches nicht mehr zu vertheidigenwagen; dagegen suchen sie mit der theoretischen Verleugnung einepraktische Anerkennung desselben von Fall zu Fall zu erkaufen.Es ist also ein Interessenkampf geworden, der gelegentliche Excur-sionen auf das wissenschaftliche Gebiet macht, um sich hier und daeinen Satz herauszuholen, der gerade passt.
Die Schutzzollfrage kann hier nur kurz erörtert werden. Voraus-schicken möchten wir nur Eine Bemerkung, welche einen grossenTheil des wichtigsten „praktischen“ Beweismaterials beseitigt, welchesvon jenen Seiten gegen die „Theorie“ in den Kampf geführt wird,nämlich der Hinweis auf thatsächlich reiche Schutzzollländer. Dieser,der Halbwisserei so plausibel erscheinende Beweis für den Schutz-zoll ist in der That nur ein Windmühlengefecht. Er setzt, von Seitender Freihandelspartei, die Aufstellung der absurden Behauptung vor-aus, dass alle Schutzzollländer verarmen, absolut im Reichthumzurückgehen müssten. Dies wäre eine lächerliche Uebertreibung.So unsinnig und so verkehrt ist heutzutage im civilisirten Rechts-staat kein handelspolitisches System denkbar, dass es den Fortschrittdes Reichthums absolut hemmen oder gar in Rückschritt verwan-deln könnte. Selbst die vollständigste Prohibition der Ein- undAusfuhr (man denke sich z. B. eine einsame, unzugängliche, abermit fleissigen Menschen bevölkerte Insel im Weltmeer!) könnte denabsoluten Reichthumsfortschritt nicht hemmen; es würde stets amJahresschluss ein Ueberschuss der Arbeitsprodukte über die statt-gebabte Consumtion vorhanden sein. Ob also das schutzzöllnerischeFrankreich reich, ob das gleichfalls schutzzöllnerische Russland arm,oh wiederum die freihändlerische Schweiz reich ist, bedeutet, für sichallein, nichts für und nichts gegen den Schutzzoll oder den Frei-handel. Die natürlichen Vorbedingungen für die Gütererzeugung,Fruchtbarkeit, Capitalbesitz, Zahl und Bildung der Menschen, sinddie ersten und mächtigsten Faktoren, auf die es ankommt, so dassEin Land, welches diese Urkräfte der Wertherzeugung in geringeremUmfang besitzt, trotz des vortrefflichsten Zollsystems, weit ärmersein kann und wird, als ein gesegnetes Land hei den höchstenSchutzzöllen. Freihandel- und Schutzsystem stehen sich also (unddamit wird viel beiderseitige Uebertreibung über Bord geworfen)nicht gegenüber in dem Sinn, dass nur Eins von beiden zum Reich-