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Bei den deutschen Kreditbanken betrug die Summe derEinlagen (in laufender Rechnung und im Depositenverkehr)gegen Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts 1300 bis1400 Millionen Mark, Ende 1912 dagegen 9 360 Mil-lionen Mark.
Die Einlagen bei den Erwerbs- und Wirtschaftsgenossen-schaften stellten sich gegen Ende der 80er Jahre des vorigenJahrhunderts auf kaum mehr als 600 Millionen Mark; da-gegen haben sie im Jahre 1912 die Summe von 3 MilliardenMark überschritten.
Die Gesamtheit der Einleger-Guthaben bei den deutschenSparkassen betrug im Jahre 1888 etwa 4550 Millionen Mark;im Jahre 1912 dürfte die Summe von 18 Milliarden Marküberschritten worden sein.
Insgesamt bedeutet das eine Zunahme der Einlagen beiBanken, Genossenschaften und Sparkassen von etwa 6½auf über 30 Milliarden Mark während des letzten Vierteljahr-hunderts. Zum grossen Teil entfällt diese Zunahme auf dieNeubildung von Kapital. Ein immerhin nicht unerheblicherTeil der Zunahme ist jedoch darauf zurückzuführen, dasses durch eine verbesserte Organisation gelungen ist, derVolkswirtschaft früher entzogene Kapitalien aus ihren Schlupf-winkeln herauszuholen. Die in solcher Weise flüssig ge-machten Kapitalien sind im Wege des Immobiliar- undMobiliarkredits dem Wirtschaftsleben zugeführt worden; siehaben zu einem wesentlichen Teil die Mittel geliefert, umden gewaltigen Aufschwung der deutschen Volkswirtschaftzu „finanzieren“. Die ungeheuren Summen, die insbesondereder die technischen Fortschritte voll verwertende Ausbauder deutschen Industrie erforderte, waren bei dem verhältnis-mässig geringen Kapitalreichtum, mit dem Deutschland indiese Entwicklung eintrat, nur zu beschaffen durch die