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Berufen, vom platten Lande in die Städte; das Ueberhand-nehmen der grossen Unternehmungen gegenüber den mitt-leren und kleinen Betrieben; in Verbindung damit das Zu-rücktreten der wirtschaftlich selbständigen Existenzen gegen-über der immer stärker wachsenden Schar der Angestelltenund Lohnarbeiter; die Ausbildung des Gegensatzes zwischenArbeit und Kapital, zwischen Besitzlosen und Besitzenden —das alles sind Probleme, die aus der technischen und organi-satorischen Entwicklung unserer Volkswirtschaft während derletzten Jahrzehnte teils neu entstanden sind, teils an Be-deutung gewaltig zugenommen haben. Die Schnelligkeitmit der sich diese Entwicklung vollzogen hat, war geeignet,die Schwierigkeit der neuen Probleme zu verschärfen; dennes fehlte bei der Plötzlichkeit der Uebergänge und Wand-lungen vielfach an der notwendigen Zeit, während der sichdie natürlichen Gegengewichte gegen die sich aus diesenUebergängen und Wandlungen ergebenden Gefahren ge-nügend hätten entwickeln können.
Von der glücklichen Lösung der neuen Aufgaben wirddie Zukunft unseres Volkes zu einem wesentlichen Teileabhängen.
An dem Gelingen brauchen wir nicht zu verzagen.
Die neuen Aufgaben, die vor allem auf dem Gebieteder Volkshygiene und der Wohnungsfrage, der Sozialpolitik,des Erziehungs- und Bildungswesens liegen, sind in keinemder Länder, die sich auf Grund einer ähnlichen Entwicklungvor dieselben Probleme gestellt sehen, mit grösserem sitt-lichen Ernst und stärkerer Willenskraft in Angriff genommenworden als bei uns. In keinem Lande betätigen die Leiterder grossen Unternehmungen ein stärkeres Gefühl ihrerVerantwortlichkeit und ihrer sozialen Verpflichtungen, inkeinem Lande hat der Staat früher und tatkräftiger diesoziale Frage in ihrem ganzen Umfang erkannt und in seinen