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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
Entstehung
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ihre stärksten Wirkungen bereits in der ersten Hälfte desvorigen Jahrhunderts ausgeübt; damals ist innerhalb verhält-nismässig kurzer Zeit der Bodenertrag auf ein Mehrfachesgesteigert worden. Aber die Wirkungen dieser wissen-schaftlichen Methoden haben sich auch im letzten Viertel-jahrhundert noch fortgesetzt, und neue grosse Erfolge stehenbevor, wenn es gelingt, die ausgedehnten Moorgebiete ingrösserem Umfang in kulturfähigen Zustand zu bringen. Inden letzten Jahrzehnten hat sich die auf wissenschaftlicherGrundlage beruhende Verbesserung der Betriebsweisen, ge-fördert durch Ackerbauschulen und Genossenschaften, ineiner Weise ausgedehnt, dass diese Betriebsmethoden ge-radezu zum Gemeingut der deutschen Landwirtschaft ge-worden sind. Insbesondere hat die rationelle Bewässerungund Entwässerung, die Ausgestaltung der Fruchtfolge unddie Verwendung künstlichen Düngers in Zusammensetzungen,die der Natur des Bodens und den Erfordernissen der ver-schiedenen Bebauungsarten angepasst sind, ausserordentlicheFortschritte gemacht. Der Verbrauch an Handelsdünger inder deutschen Landwirtschaft ist von 16 Millionen Doppel-zentner im Jahre 1890 auf nahezu 60 Millionen Doppelzentnerim Jahre 1910 gestiegen. Im letztgenannten Jahre belief sichder Wert des verbrauchten Handelsdüngers auf nahezu400 Millionen Mark. Speziell der Verbrauch von Kali hatsich in dem zwanzigjährigen Zeitraum von 2,2 auf 22,2Millionen Doppelzentner gehoben, der Verbrauch von Tho-masmehl von 4,0 auf 14,3 Millionen Doppelzentner, dagegender Verbrauch des aus dem Ausland bezogenen Chilisalpetersnur von 2,5 auf 5,4 Millionen Doppelzentner. Daneben hatdie Landwirtschaft vor allem aus der gesteigerten Verwen-dung maschineller Kraft Vorteil gezogen; die Verwen-dung von Maschinen aller Art ist ausserordentlich starkgestiegen, namentlich seitdem die Fortschritte der Elektrizi-