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Der deutsche Aussenhandel ist also stärker gewachsenals derjenige der anderen Länder, sogar der Vereinigten Staaten von Amerika ; er ist auf etwas mehr als das Dreifache ge-stiegen, der amerikanische nur auf das Zweidreiviertelfache,der englische auf etwas mehr als das Doppelte, der fran-zösische nicht ganz auf das Doppelte. Während der deutscheAussenhandel im Jahre 1887 den französischen gerade erstum eine geringe Summe überholt hatte, ist er heute umweit mehr als die Hälfte grösser; während er nicht viel mehrals halb so gross war wie der englische, stellt er heute85% des englischen Aussenhandels dar.
Die gewaltige Entwicklung ist nichts anderes, als derAusdruck und infolgedessen gleichzeitig auch ein Grad-messer für die ausserordentliche Entfaltung unserer in-dustriellen Produktionskraft. Während die Landwirtschaftauf Grund der natürlichen Begrenztheit ihrer Produktions-bedingungen bei Anspannung aller Kräfte nicht einmal ganzmit dem steigenden Nahrungsbedarf der stark wachsendenBevölkerung Schritt halten konnte, hat es die deutsche In-dustrie vermocht, ihre Produktion weit über den sich er-heblich ausdehnenden Bedarf des Inlandes hinaus zu steigern.Sie hat es verstanden, für ihre Mehrerzeugung durch Güteund Billigkeit ihrer Produkte in wachsendem Masse sichdie ausländischen Absatzmärkte zu öffnen und dadurch dieMittel für die Bezahlung unserer mit Bevölkerung und In-dustrie wachsenden Einfuhr von Nahrungsmitteln und Roh-stoffen herbeizuschaffen.
Der Warenaustausch mit dem Ausland wird ganz vor-wiegend durch die Seeschiffahrt vermittelt.
Der gewaltige Aufschwung der deutschen Kauffahrtei-flotte ergibt sich aus den folgenden Ziffern: