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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
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haben: von den grossen Elektrizitätsunternehmungen, Be-wässerungsanlagen und vor allem von den Eisenbahnen, die wie die Bagdadbahn und die Schantungbahn weiteGebiete unter deutscher Führuug neu erschliessen und sieebenso zu Bezugsquellen für unseren Einfuhrbedarf wie zuAbsatzmärkten für unsere Ausfuhr entwickeln. Der Kaiserhat diesen grossen Unternehmungen stets sein besonderesWohlwollen und seine besondere Förderung gewährt.

Der gewaltige Aufbau ineinandergreifender und sichgegenseitig tragender wirtschaftlicher Betätigung im In- undAuslande steht nur so lange auf sicherem Grund, als ergegen jeden Gewaltstreich geschützt ist. Im friedlichenWettbewerb weiss sich die deutsche Volkswirtschaft starkgenug, um ihren Platz zu behaupten und auszubauen. Aberdie Versuchung, im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf vonder Ueberlegenheit der politischen und militärischen Macht-mittel Gebrauch zu machen, war zu allen Zeiten für denStärkeren gegenüber dem Schwächeren sehr gross. Diezahlreichen Handelskriege der Weltgeschichte geben hiervonZeugnis. Alle Fortschritte der Kultur und Gesittung imVölkerleben dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass jedesallzustarke Auseinandergehen in der Entwicklung der wirt-schaftlichen Stärke und der politischen Machtmittel dieTendenz einer gewaltsamen Entladung und Ausgleichungschafft. In dieser Erkenntnis musste Deutschland , das durchseine geographische Lage und seine geschichtlichen Erfah-rungen sich genötigt sieht, ein allen Möglichkeiten gewachsenesLandheer zu halten, sich dazu entschliessen, seine immergrösser und wichtiger werdenden überseeischen Wirtschafts-beziehungen durch eine Flotte zu schützen, die stark genugist, um für jeden Gegner die Versuchung, unseren wirt-schaftlichen Wettbewerb durch Gewaltmittel zu Boden zuschlagen, im Keime zu ersticken. In diesem Sinne ist unsere