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Deutschlands Volkswohlstand 1888 - 1913 / von Karl Helfferich
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Wenn irgendwo Schätzungen unsicher sind, dann sindsie es auf diesem Gebiet. Alle Angaben, die vorliegen, sindnur mit den grössten Vorbehalten hinzunehmen.

Die deutschen Kapitalanlagen in überseeischen Ländernwurden in einer vom Reichs-Marineamt im Jahre 1905herausgegebenen Denkschrift auf 89 Milliarden Mark ge-schätzt. Der deutsche Besitz an ausländischen Effektenwurde im Jahre 1892 von Schmoller auf 10 Milliarden Mark,ein Jahr später von dem damaligen ReichsbankpräsidentenKoch auf 12 Milliarden Mark bewertet; und die Denkschriftdes Reichs-Marineamts glaubte im Jahre 1905 unseren aus-ländischen Effektenbesitzeher ganz erheblich über alsunter 16 Milliarden Mark bewerten zu können. Nun darfman nicht, wie dies mitunter geschehen ist, den geschätztenWert der überseeischen Kapitalanlagen und des ausländi-schen Effektenbesitzes einfach zusammenfassen, womit manfür 1905 nach den für beide Gruppen vom Reichs-Marine-amt angenommenen Zahlen auf 2425 Milliarden Markkäme. Dieüberseeischen Kapitalanlagen haben vielmehrzum grossen, ja zum überwiegenden Teil Effektenform AufGrund der Ziffern des Reichs-Marineamts wird man des-halb für 1905 unsere gesamte Kapitalanlage im Auslandnicht höher als 20 Milliarden Mark bewerten können. Auchdiese Ziffer erscheint noch zweifelhaft; denn den Neu-Emissionen ausländischer Werte in Deutschland stehen er-hebliche Abgänge infolge von Rückzahlungen und Rück-käufen des Auslandes gegenüber. Speziell in den letztenJahren hat der gewaltige inländische Kapitalbedarf für in-dustrielle und öffentliche Zwecke die Neuinvestierungen imAuslande erheblich beschränkt. Bei Würdigung aller Um-stände erscheint selbst für den heutigen Stand die Schätzungaller ausländischen Kapitalanlagen Deutschlands auf 20 Mil-liarden Mark eher zu hoch als zu niedrig. Da aber in den