englischen Goldmünzen stets einen festen Werth im englischenSilbergeld gehabt, und die Folge davon war gewesen, dafs — jenach den Schwankungen des Werthverhältnisses beider Metalle —bald das Gold, bald das Silber ans dem Umlauf verschwand. Ge-witzigt durch diese unangenehmen Erfahrungen mit der Doppel-währung versuchte nun England ein neues System: die Gesetz-gebung verzichtete darauf, den Kurs der Guinea auf 20 Schillingefestzulegen, sie überliefs vielmehr die Bewerthuug der neuen Gold-münze dem freien Verkehr, lediglich in der Absicht, beide Metallegleichzeitig im Verkehr zu halten, was sich beim Doppelwähruugs-system als eine Unmöglichkeit herausgestellt hatte. Es wurdejedoch den öffentlichen Kassen gestattet, die Guinea zum Tages-kurs anzunehmen. Die öffentlichen Kassen machten in der Thatvon dieser Erlanbnifs vollen Gebrauch. Daraus entstand ein sehreigentümliches Verhältnifs. Wenn der Werth des Goldes imfreien Verkehr stieg, dann stieg natürlich auch der Kurs derGuinea, und die öffentlichen Kassen nahmen dann die Guinea zudem gestiegenen Kurse. Wenn aber andererseits der Werth desGoldes auf dem Edelmetallmarkte fiel, so wurde dadurch dochniemand veranlal'st, die Guinea zu einem niedrigeren Kurs inZahlung zu geben, als demjenigen, zu welchem sie von denöffentlichen Kassen noch in Zahlung genommen wurde. Durchein Steigen des Goldwerthes wurde also in dem einen Fall derKasseukurs der Guinea erhöht, und im anderen Fall hieltdieser Kasseukurs bei einem Sinken des Goldwerthes den Kursder (iuinea im freien Umlauf auf seiner bisherigen Höhe. Dasneue System ermöglichte wohl ein automatisches Steigen aber nichtein automatisches Fallen des Guiueakurses.
So kam es, dafs die Guinea bald nach ihrer Einführung auf21'/a Schilling stieg, in Folge eiuer Steigerung des Goldwerthes;dafs sie sich ferner auf diesem Kurse hielt, als der Goldwerthgegenüber dem Silberwerth wieder etwas sank. Die Folge davonwar, dafs es mehr Vortheil bot, Gold ausmünzen zu lassen, alsSilber; das ganze System glich damals bereits einer Doppel-währung, welche zur thatsächlichen Goldwährung geworden war.
Zu Beginn der 90er Jahre des 17. Jahrhunderts vollzog sichim englischen Geldwesen ein merkwürdiger Prozels. Die um-laufenden Silbermünzeu verloren rapid und stark an Gewicht,theils durch natürliche Abnutzung, hauptsächlich aber durch be-