Aufsatz in einer Zeitschrift 
"Inseln im Meer des Beliebigen" : Architektur und Implementierung eines Internetportals Deutsch-jüdische Periodika
Entstehung
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66Schicketanz/Heiligenhausferten die Ausgangsbasis einer technologischen Entwicklung, deren Di-mension erst allmählich deutlich wird. Personal Computer, preiswerteSpeicher- und Distributionsmedien, zunehmend nutzeradäquate Soft-ware, schließlich die ubiquitäre Verfügbarkeit des Internets schufen dieRahmenbedingungen eines heute kaum mehr überschaubaren Arsenalsan technologischen Verfahren und Applikationen zur Informationserfas-sung und-distribution.Dabei erlebt der Philologe den Anbruch dieser neuen Ära am denkbarbequemsten Ort ­ an seinem individuellen Computerarbeitsplatz: In zu-nehmendem Maß konkurrieren virtuelle Kataloge mit Bibliotheken vorOrt. Dokumentenlieferdienste versenden beliebige Texte per Mail. Ex-zerpte und Bibliographien verwaltet das persönliche Dokumentenmana-gementsystem, und dank automatischer Texterkennungssoftware könnenauch umfangreichste Corpora nach Schlüsselbegriffen durchsucht wer-den. Last not least bietet das World Wide Web eine exponentiell wach-sende Informationsbasis, die den Gang in>reale< Bibliotheken irgend-wann vollends zu erübrigen scheint.Kaum ein Bereich veranschaulicht die Technisierung und Globalisie-rung der Philologie so schlagend wie die weltweiten Initiativen zum Auf-bau virtueller Bibliotheken. Die Perspektive ist in der Tat atemberau-bend: Allein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurden in denletzten Jahren circa 90 philologisch-bibliothekarische Digitalisierungspro-jekte ins Leben gerufen, mit deren Hilfe langfristig die wissenschaftlicheLiteraturversorgung verbessert und zugleich der stetig ansteigende, aberimmer schwerer zu finanzierende Arbeitsaufwand der Bibliotheken ver-ringert werden kann. Ein Schwerpunkt der geförderten Vorhaben liegtdabei auf der>retrospektiven< Digitalisierung, die vorrangig ältere, urhe-berrechtsfreie Bibliotheksbestände aufbereitet und im Internet zur Ver-fügung stellt.1Das Spektrum ist denkbar breit und reicht von Turfan-1Im Rahmen des»Förderprogramms Retrospektive Digitalisierung von Bibliotheksbe-ständen«<http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/informationen_antragsteller/verteilte_digitale_forschungsbibliothek/retrospekt_digitalisierung.html>(22.1.2004). ­ Vgl. Jürgen Bunzel: Die Verteilte Digitale For-schungsbibliothek als Infrastrukturförderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft.In: Hartmut Weber/Gerald Maier(Hg.): Digitale Archive und Bibliotheken. Neue Zu-gangsmöglichkeiten und Nutzungsqualitäten. Stuttgart: Kohlhammer 2000(Werkhefteder Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Serie A: Landesarchivdirektion,15), S. 67-82; Ewald Brahms: Digital Library Initiatives of the Deutsche Forschungs-gemeinschaft. In: D-Lib Magazine 7(Mai 2001), Nr. 7.<http://www.dlib.org/dlib/may01/brahms/05brahms.html>(22.1.2004); Sigrun Eckelmann: Förderschwerpunkteder DFG im Bereich digitaler Bibliotheken. Vortrag anlässlich der Sun Summit Biblio-theken und Museen, 25.9.2002, Frankfurt a. M.<http://www.sun.de/Downloads/Praesentationen/2002/Summit-Bibliotheken/pdf/eckelmann.pdf>(22.1.2004).