»Inseln im Meer des Beliebigen«79Ein Vorteil dieses ersten Produktionsschritts besteht darin, große Men-gen digitalen Quellenmaterials ohne Umschweife im Internet zur Verfü-gung zu stellen. Die Datenerfassung folgt ergonomischen und ökonomi-schen Prinzipien und setzt keine besonderen technischen Kenntnissevoraus. Darüber hinaus ist diese Phase der Produktion vollkommen au-tark: Mit geringem Aufwand lassen sich auch weltweit verstreute Mate-rialien in Form virtueller Gesamtbestände zentralisieren, auf die fortanglobal zugegriffen werden kann. Der Umstand, dass in diesem Stadiumkeine digitalen Volltexte angeboten werden und das Archiv erst ober-flächlich strukturiert ist im Fall von Periodika gemäß ihrer>natürlichen<Hierarchie(Titel, Jahrgang, Einzelheft) , erweist sich nur auf den erstenBlick als Nachteil: Waren zuvor aufwändige, oft erfolglose Bibliotheks-reisen, Archivaufenthalte oder Bestellvorgänge nötig, wird der Nutzer diebloße Verfügbarkeit bislang schwer zugänglicher Corpora und sei dieErschließungstiefe vorläufig noch so gering als ungemeine Arbeitser-leichterung begrüßen. Bibliotheken und Archive wiederum werden es zuschätzen wissen, knappe Personalressourcen schonen und die bedrohtenOriginale schützen zu können.Diese einfache Bereitstellungsform, die als erster, selbstständiger Pro-duktionsschritt angestrebt werden sollte, mag in manchen Fällen bereitsvollkommen genügen sie stellt jedenfalls ein vergleichsweise einfach,günstig und schnell zu erzielendes Arbeitsergebnis dar, das Nutzer undAnbieter gleichermaßen entlastet. Die geringe Komplexität dieses Ver-fahrens, das sich leicht auf andere Publikationstypen oder Überliefe-rungsformen applizieren lässt, mag ferner ein Argument für Institutionendarstellen, die bislang keine Erfahrungen im digitalen Bereich gesammelthaben, dieses Segment jedoch aus Gründen der>Selbsterhaltung< raschbesetzen sollen:Es steht den Geisteswissenschaften nicht mehr frei, sich aus den wandlungsin-tensiven Bedingungen der Kommunikation herauszuhalten. Und wenn dies[...]im Stillen oder lautstark gefordert wird, dann um den Preis der Selbstmarginali-sierung.[...] Was jetzt im Internet als Wissensbestand und Geltungsanspruchnicht angemessen markiert wird, kann mittelfristig bereits von der Weltkarte dergeläufigen Kenntnisse verschwunden sein. Es gerät, wenn es für eine computer-gestützte Benutzung nicht in mediengerechter Form zur Verfügung steht, an denRand jenes Feldes, das als Raum des allgemein Wissenswerten betrachtet werdenkann.3333Rainer Baasner: Digitalisierung Geisteswissenschaften Medienwechsel?(Fußno-te 10).
Aufsatz in einer Zeitschrift
"Inseln im Meer des Beliebigen" : Architektur und Implementierung eines Internetportals Deutsch-jüdische Periodika
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79
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