Von dem Beyworte. §.zoz. 6zr
aus dem Grunde, weil diese dritte Declination derAdjective die abstracte sey, der Vocativ aber dasconcreteste und bestimmteste Verhältniß ausdrucke,daher diese Declination gar keines Vocativs fähigsey, sondern derselbe zu der vorhergehenden Formgehöre, und folglich im Plural großen Götter!geliebten Freunde! heissen müsse. Es hat michdieser Scheingrund verleitet, ehedem ein gleiches zubehaupten; allein bey ein wenig mehr Aufmerksam-keit siehet man bald, daß diese Declination keineS-weges die abstracte Declination heissen könne, unddaß der Begriff des Abstracten und Concreten garkeinen Einfluß auf die Beugung der Adjective habe.Die vollständigsten Biegungszeichen sind der wesent-liche Character dieser Declination, und daö Adjectivmuß allemahl nach derselben gebeuget werden, sooft kein anderes Bestimmungswort diese vollständi-gen Zeichen hat, die Bedeutung sey so concret alssie wolle. Mein armes Rind, ist gewiß so con.cret, als das arme Rind, oder dieses arme Rind.Überdieß sind diese vollständigen Biegungszeichengerade eben dieselben, mit welchen der, die Pron»mina, und viele Zahlwörter gebeuget werden, derenBedeutung man doch wohl nicht siir abstract aus-geben wird. Der Vocativ endigt sich daher der Re-gel nach, wenn kein anderes Bestimmungswort vor-her gehet, im Plural allemahl auf e. Höret mandessen ungeachtet so oft lieben Freunde, theuerstenRinder, und klingen liebe Freunde, theuersteRinder ungewohnt, so lassen sich diese Fälle durchein ausgelassenes Pronomen erklären, meine lie-ben Freunde, ihr theuersten Rinder; ob esgleich besser wäre, auch in diesem Falle der Regelzu folgen, und die Ausnahmen nicht zu häufen.
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