Vor. dem Verbs. §.425. 819
der Sprache in Ansehung der irregulären Verbo-rum gesagt habe. Man wird zugleich den Wegentdecken, welchen sie dabey gehet; sie fanget beydem ^nmerrlichen an, und schreitet nach und nachzn dein Merklichern fort. Das irreguläre Präsensist 5er erste Theil des Verbi, welcher sich der regu-lären Gestalt nähert. Nach einen, langen Zeitrau-me trifft die Reihe das Imperfectum Indicativ!,aber auch nur nach und nach. Erst gehet der tiefe-re Hülfslant in den höhern über; ans brunn vonbrennen wird braun; nach einem beträchtlichenZeitraume schließen sich die Biegungölaute der re-gulären Form an, und so entsiehet brannte, undwieder nach einem beträchtlichen Zeitraume bren-ncre. , Die Natur thut keinen Sprung, am wenig-sten in den Sprachen, wo um der all^cineinen Ver-ständlichkeit willen, welche ihre höchste Absicht ist,alle Veränderungen in sehr unmerklichen und derZeit nach sehr weit von einander enfernten Gradenvor sich gehen müßen. Ich könnte dieses, nichtallein von den Verbis, selbst von solchen, welche wirjetzt nicht anders als regulär kennen, fondern vonallen übrigen Formen der Sprache, diplomatifch er-weisen, wenn eS mich nicht in eine zu große Weit-läufigkeit führen würde. Diese ganze Beobach-tung ist zugleich eine Lehre für diejenigen, welcheder Sprache fo gewaltsame und heftige Veränderun-gen aufdringen wollen, als von vielen in den älrernund neuern Zeiten geschehen. Sie haben zu allenZeiten den Bloßen geschlagen, und werden in allenkünftigen Zeiten nie etwas anders schlagen.
Ich frage noch einmahl: foll der Sprachlehrersich der fortschreitenden Ausbildung der Sprache wi-herfeßen, und die alten Formen auf Kosten derneuern empfehlen? oder ist es für ihn Pflicht, der
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