Mehrteiliges Werk 
Briefe Deutscher Gelehrten an den Herrn Geheimen Rath Klotz / Herausgegeben von J. J. A. v. Hagen, Lieut. des Königl. Preuß. Reg. von Anh. Bernburg
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Sie mir' in Ihrem werthesten Briefe bezeigen, allemeine Verdienste. Mein Beruf, der mich zu einemGeldeinnehmer bestimmt, hat mich dem vertrautenUmgänge der Musen gänzlich entrissen i und ich darfIhnen nicht erst sagen, wie wenig sich der Goct derSteuerrcchnungen, wenn e6 anders einen solchengiebt, mit ihren süssen Gesängen vertragt. Die we-nigen Augenblicke, die ich ihnen widme, muß ich ab-stehlen: wie kann e6 also anders kommen, als daßdasjenige, was ich oft unter dem Tumulte von einerMenge Bauern aufs Papier werfe, gar nicht dieje-nige Politur hat, die Horah von den Dichtern ver-langt. Meine Freunde werden mich allenfalls des-wegen entschuldigen, aber von der kritischen Welthabe ich kein Recht, eS zu fodern. Das Griechischehöre ich beynahe auf zu verstehen, und im kurzen wer-de ich kaum die Buchstaben mehr kennen. Lassen Siesich aber deswegen nicht abhalten , mir Ihre Ab-sicht in Ansehung der von Ihnen gesammelten Stel-len aus den Tragödien der Alten mitzutheilen. IhrUnterricht wird mir um desto willkommener seyn, jeweniger ich itzt im Stande bin, mir ihn selbst zuverschaffen. Wenn Sie, liebster Freund, meinepottischen Kleinigkeiten Ihrer Aufmerksamkeit würdi-gen, so kritisiren Sie mich mit aller Strenge einesÄunstrichterS. So gern ich mich von Ihnen werdeloben hören, so wird eS mir doch noch lieber seyn,wenn Sie mich auch in Stand sehen, Ihr L)b zuverdienen. Wir verschlissen nur zu gern die Auqenvor msern Fehlern, und der wahre Freund bleibtimmer derjenige, der sie unS öffnet, und uns auf

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