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Jauer den iZ. April 1771.
^enn ich nicht wüßte, daß sie in tausend Geschafftte verwickelt waren, so würde ich Sie langstum einen Brief gebeten haben; denn meine ganze See-le hangt an Ihnen, und jede Zeile von ihnen dringetwie ein erquickender Balsam in mein Herz. Bald möchtte ich daö Schicksal einer Harte beschuldigen, daß e5uns noch immer trennt, deren Seelen doch so nahe ver«schwistert sind, und die einander in dem verfloßnenPlatonischen Zeitraum gewiß gekannt haben. Schwerschwer wird es mir, wenn sich der finstre Gedankecinschlcicht, ob ich Sie erst diesieit deS Monds erbli»cken und umarmen soll. Ich nehme mir die Freyheit,Ihnen, theuerster Freund, ein Programma zuschicken,über den ißigcnZustand der schönenLiteratur inDeutsch-land. Sie werden daraus sehen, was ich für Wahr-heiten in meinem Sprengel auszubreiten suche. Ichdächte, eö sollte eine Recension in Ihren Hallischenge»lehrten Zeitungen verdienen, da ich oft nützliche Schul«schriften darin beurtheilt finde. Auf Michael werde ichIhnen einen Herr von Seydkjtz schicken, der aus derreformirten Realschule zu Breßlau nachJauerin meineUnterweisung ist geschickt worden.Gern möchte ich in einweitlauftiger Feld verseht werden,denn die hiesigeSchmleist mir zu klein. Mein Brief ist zwar kurz,wegen drin-gender Geschaffte aber lang—doch nicht lang, sondernewig, wird meineLiebeund Hochachtung gegenSie.vor-trcfflicher Mann, dauern. Vergessen sie mich ja nicht,meine Zufriedenheit beruhet darauf. Ich ersterbe mitzärtlichster Rührung:e. ' BlÄft
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