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Erstes Fragment.
Von Verfchreyung der Vernunftauf den Kanzeln.
§. I. „AA'UN die Herren Prediger diesen Mangel der„catechetischcn Lehrbücher an einer vernünftigen Religion„und an einem vernünftigen Uebcrgange von derselben zur„Offenbarung iw ihren Cantzel-Reden für die Erwachft-„nen wieder zu ersetzen suchten: so mögtc man sie noch„damit entschuldigen, daß sie dem kindischen Alter, nur„anS einer irrigen Meynung, kein Vermögen denken zu„lernen zugetraut hatten, und also die vernünftige Ein-„sicht göttlicher Wahrheiten bis zu einem gesetzteren und„geübteren Alter versparen wollen. Das wäre zwar ci-„ne verkehrte Methode: den Grund der Religion mit„bloßen Vorurtheilen und angehängten fürchterlichen Dro-„hungen legen, und hernach auf diese eingewurzelte Vor-„urtheile und ängstliche Vorstellungen eine vernünftige„Einsicht bauen wollen. Ein so zugerichtetes Gemüth„sieht jeden Schimmer der Vernunft für unwidcrsprechli-„che Beweise an: es ist schon geneigt, alles, was seineu„Vorurthcilen gemäß ist, für die Wahrheit anzunehmen„und das Gegentheil zu verabscheuen, und daher bildet es„sich leicht ein, volles j.icht und Uebcrführmig von einer„Sache zu haben, davon es nichts verstehet. Man darf„sich nur die Gelehrten selbst zum Beyspiele vvrs.el.len,„wie mächtig die Vorurthcile der Kindheit und angecrb-
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