Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
288
Einzelbild herunterladen
 

> ( 288 )

Zweytes Fragment.

Unmöglichkeit einerOffenbarung, die alle Menschenauf eine gegründete Art glauben könnten.

§§. ,»Ä)ir kommen demnach zu dem andern Vordersatzeunsers obangeführten Schlusses, welcher einen umstand-lichern Beweis erfordert: daß eine Offenbarung, soalle Menschen auf eine gegründete Arr glaubeninnren, eine unmögliche Sache fty. Es würdencmlich eine solche Offenbarung entweder unmittelbarallen und jeden Menschen, oder nur etlichen geschehenmüssen. In dem letzteren Falle würde sie entweder etli-chcn Menschen bey allen Völkern, oder bey etlichen Vöi-kern, oder wohl gar nur bey einem vffenbahrct: und je-deö von diesen geschahe entweder zu allen Zeilen, oderzu gewissen Zeiten, oder wohl gar nur zu einer Zeit»Die Art aber, wie es von den etlichen Menschen denenübrigen bekannt gemacht würde, geschahe entwedermündlich oder schriftlich. Wir hatten zwar nicht nö-thig, die Möglichkeit der andern Falle, welche nimmervon jemand vorgegeben sind, in Erwegung zu ziehen,und könnten uns nur allein an diesen Fall halten, dagesagt wird, daß Gott bey einem Volke zu gewisser Ieitetlichen Personen unmittelbare Offenbarung gegeben,von welchen es alle übrige Menschen, theils mündlich,theils schriftlich empfangen und annehmen sollten. Al-lein, da wir die Frage überhaupt abhandeln, so kann ichdie übrigen Fälle nicht ganz weglassen: zumahl da sie

auch