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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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selbst, daß sie mnznstosscn, aufzuheben oder gefangen zunehmen sey, fondern er spricht nur von den )5 ernunfr-ftblnsien, daß sie umgestossen, und von den Gedanken,,,daß sie gefangen genommen worden. Das ist ein gewal-tiger Unterschied. Denn Vernunftschlüsse und Gründekönnen falsch seyn und widerlegt werden; und wenn dasmir völliger Klarheit und Deutlichkeit geschehen ist, sowird der Mensch innerlich genöthiget der Wahrheit beysich Platz zu geben; er muß seine Einwendungen fahrenlassen und wird gleichsam gefangen genommen. Aberdie Vernunft selbst, mit ihren ewigen Grundregeln, istnicht zu widerlegen, und wir müssen sie auch nimmerfahren lassen, wo wir uns nicht in unvernünftige Irr-thümer stürzen wollen. Warum heißt man uns denndie Vernunft selbst gefangen nehmen? Kann dies wohleinen andern Verstand erwecken, zumal bey Leuten, dienoch nimmer zu einer vernünftigen Religion angeführtsind, als daß sie ihre Vernunft, da sie dock von Dingen,die des Gottes sind, nichts versteht, immer bey sich un-terdrücken, und ganzlich ungebraucht lassen müssen, wennsie gute Christen seyn wollen. Eine zweyte Abweichungvon den Worten und dem Sinne Pauli ist diese, daß dieVernunft gefangen zu nehmen sey unrer dem Gehor-sam des Glauben?. Es steht eigentlich im Textenichts vom Gehorsam des Glaubens, sondern vom Ge-horsam Christi. Und wenn auch jener Ausdruck an sichmit diesem eins wäre, so müste doch e!s ^«xs^v nichtgegeben werden unter dem Gehorsam, sondern zum Ge-horsam Christi oder des Glaubens. Nämlich Paulusrühmt sich, er habe die Corinther, da sie noch Heyden

«waren.