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„waren, auf solche Art zum Christenthum bekehrt, daß er„zuvor alle ihre Vernunftschlüsse und Einwendungen ge-„gcn dasselbe überführend widerlegt, so daß sie weiter„keine Ausflüchte mehr gehabt, und also alle ihre Gedan-ken waren gefangen genommen worden zum Gehorsam„Christi. Also ist der Gehorsam Christi eine Wirkung„und Erfolg der überzeuglichen Predigt Pauli gewesen:„die Corinther sind durch unwiderfprechliche Gründe und„durch völlige Bcnehmung aller Zweifel endlich dahin ge-bracht worden, daß sie sich entschlossen Christo zu gehör?„samen. Aber, die Vernunft gefangen nehmen unrer„dem Gehorsam des Glaubens, klingt so, als ob der„Glaube, oder der Vorsaß dem Glauben zu gehorchen,„schon vorher da wäre, und eine Ursache des Beyfalls der„Vernunft seyn müste: ich glaube es, also muß es wahr„seyn, meine Vernunft mag sagen was sie will. Das„ist ja wohl eine verkehrte Ordnung. Die Vernunft kann,,gar nicht unter einem Gehorsam stehen, ihr Beyfall ist„nichts willkürliches, ihr muß zuvor Genüge gefchehcn,„ehe man glauben kann, daß eine Lehre wahr, daß ein„Zeugniß göttlich sey, ehe man sich mit freyem und gutem„Willen entschließt, dem zu gehorchen, was die Lehre zu„thun verlangt. Eine dritte Verdrehung der Paulini-„schen Worte besteht darin: daß die Theologi und Pre-diger eine Regel und Befehl an die Lehrlinge oder cste-„ctmmenos daraus machen: sie sollen selbst ihre Vernunft„gefangen nehmen unter dem Gehorsam des Glaubens;„da doch PauluS sagt, er, als Lehrer und Apostel an„die Heyden, habe alle Vernunftfchlüsse und Gedanken„der Corinther wider die Erkenntniß Gottes gefangen ge-
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