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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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Gelehrten bey den gesittetsten Völkern nicht einer nurdem Namen nach kennet; geschweige, daß er von einzelnPersonen unter ihnen und deren Vorgeben und Meysnungen sollte Nachricht haben., oder sich darum beküm-mern, oder auch gegründeten Bericht davon einziehenkönnen. Wie wäre es also in alten Zeiten, vor ChristiGeburt, möglich gewesen, daß eine Offenbarung, wel-che in einem Winkel des Erdbodens einigen wenigenPersonen in einem einzigen Volke widerfahren war,und welche dem Volke selbst unglaublich schien, den an-dern Nationen auf dem ganzen Erd-Kreise, ohne alleBemühung und Predigen der Propheten, ohne Posten,Schreibe-Kunst, Briefwechsel, Schiffahrt, Missionen,Buchdruckerey und dergleichen, sollte bekannt oder glaub-lich gemacht werden können? Gewiß, das ist so unmög-lich und noch weit unmöglicher, als daß ich heutigesTages wissen könnte, oder zu wissen verlangte, was einSlachtjitz in Pohlen hinter seinem Pfluge spricht, oderein Bojar in Siberien bey seinem Zobel-Fange denkt,oder was einem Mandarin in Sina träumt» Die alteWelt konnte so wenig von einander wissen, und wegenihrer Umstände sich so wenig um einander bekümmern,daß es in dem Stücke eben so gut war, als ob die an-»der» nicht in der Welt wären. Die Chaldaer und Egy-ptier hatten sich noch durch ihre Wissenschaft Nuhm er-worben, so daß sie wol von Fremden besucht wurden»Aber die Hebräer und das Israelitische Volk haben sichniemals in irgend einem Theile der Wissenschaften her-vorgethan. Dazu waren sie durch ihr Gesetz sowol, alsdurch die läge selbst, Von allen andern Nationen abge-schlossen: