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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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liche Religion zutrauen? mußten sie nicht allen ihrenNachbarn und Landsleuten Schrecken und Abscheu vorsolchen gottlosen Creaturen beybringen? Was gehen nochheutiges Tages mehrentheils für Leute nach heydnischenLandern? ruchloses See-Volk; verdorbene liederlichejunge Leute; Uebelthater, die zum Strange verurtheiletwaren, und nun in die Colonieen zur Begnadigung ver-schickt werden; gewinnsüchtige Kaufleute, die gestohle-ne Menschen kaufen und sie wieder verkaufen oder zuSclaven brauchen; Geistliche von verschiedenen Secten,deren eine jede die andern in die Hölle verdammet, undda ein jeder Amts-Gehülfe den andern verketzert undsich mit ihm zanket; zum Theil auch solche Mißionarii,die das Christenthum durch allerley groben Tand, Aber-glauben, Bilder - und Heiligen-Dienst so beschmißet ha-ben, daß es keinem Menschen, der natürlich gesundeVernunft hat, und noch von Vorurtheilen frey ist, an-standig seyn kann. Ist da wol die geringste Möglich-keit, daß Fremde, die noch von dem Innern der christli-chen Lehre keine rechte Einsicht haben, und also nochbloß aus dem ausserlichen Betragen der Christen urthei-len müssen, nur eine Begierde bekommen, zu wissen,worinn die Lehre bestehe? Sie müssen ja so gedenken:Ist es eine göttliche Religion, die sich einer übernatür-lichen Offenbarung und wunderthatigen Kraft bey denenMenschen rühmet: warum macht sie die Menschen nichtfrömmer, nicht besser? warum sind die Leute dabeygottloser, als alle andere? Gott hat keine Gemein-schaft mit unreinen Seelen, er offenbaret sich nicht de-nen Gottlosen: er brauchet keine Lasterhafte zu Boten

seiner