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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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seiner heiligen Wahrheiten: ihr Vorgeben muß falschund erlogen seyn. Dazu, wenn ich gleich ihnen Gehörgeben wollte: wem soll ich folgen? Der eine beschuldigetden andern irriger Lehre, falscher Auslegung, mensch-licher Zusätze: frage ich diesen, so warnet er mich fürjenen; frage ich jenen, so verdammet er diesen bis mdie Hölle. Laß sie erst selber unter ein ander eins wer-den, wenn ich ihnen, als Wegweisern, folgen soll.Wer kann den Heyden verdenken, wenn sie bis auf denheutigen Tag so urtheilen, und sich von dem Christen-thume vielmehr zurück ziehen? Das Christenthum hatanfangs durch Vernunft und frommen Wandel über dasHeidenthnm gesiegt; aber durch Zwiespalt des Glau-bens, und daher entstehende Unordnung und Lasterist esin sich wieder zerfallen. Wenn nun sonderlich Zwiespaltdem Christenthume wesentlich ist, und nach Pauli Aus-spruche Secten oder Notten darum notwendig seyn müs-sen, wie es auch die ganze Kirchen-Historie giebt: sokann man leicht gedenken, wie es bald mit der Fort-pflanzung des Christenthums ergangen. Ein Reich, dasmit sich selbst uneins ist, kann nicht bestehen: EineSe-cte, eine Rotte reibt die andere wieder auf. Und dieseinnerlichen Unruhen, Gezanke und Verfolgungen, nebstdenen einreissenden Lastern und Aberglauben, haben ge-macht, daß das Christenthum fast in ganz Asien , wo eszuerst aufgekommen war, wie auch in Asrica, wieder ha^vergehen und ausgerottet werden müssen: und daß nochdie schwachen Ueberbleibsel davon, da sie in wenigen un-ter sich zankenden Griechen, Catholiken, Protestanten,Habassinem, Armeniern oder Jacobiten, und Maroni -

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