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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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gesagt. So gestehet er denn doch, daß er bisher ein Ca-tcchismus - Gläubiger gewesen. Er mag denn andereCatechismus-Gläubige anderer Seeren, die auch nun inder Bibel keine Fremdlinge sind, fragen, ob sie was an-ders darinn gefunden, als was ihnen ihr Calechifmus»»eingeschärfet. Ja er mag sich selber fragen, ob er was»anderes darinn finden wollen, als was er in den An-fangsgründen der erlerneteu Lehre von Zugend auf ein-gesogen. Denn wenn man nicht die Schrift so läse, sowäre es ja nicht möglich, daß ein jeder seine, von an-dern ganz verschiedene, Meynungen, und zwar ganzklar und offenbar, darinn zu erblicken glaubte. Manmuß zuvor allen Catechismns-Glauben gänzlich ablegen,und alle Hülfsmittel der Erklärung bey der Hand haben,wenn man das in der Schrift finden will, was wirklichdarinn versteckt liegt. Wer sie aber in der Absichc vor-«nimmt, daß er das daraus bestätigen will, was sein er-lernetes Glaubens - Formular sagt: der findet es auchdarinn, und wird in seinem Catechismus-Glauben lrost-lich gestärkt. Das gehet den Gelehrren so, wie will esHalb-Gelehrten, Staats- Leuten, Kaufleuten undHand-werkern? Der Laye läßt den Priester, der Priester denProfessor, der Professor Calvinum, Lutherum, die Hei-delbergifchen, Wittenbcrgifchen und Tridenlinifcken The-ologen, und diefe wieder dic Concilia, Kirchen-Väterund Athanasium, für sich denken. Ein jeder denkl demandern nach, und giebt sich Mühe, ja nicht anders zudenken, als seine Vorfahren gedacht haben, von welchener glaubt, daß sie die Orthodoxie besessen. Wie vielesind wol, die, ich will nicht sagen, einzelne schwere Oer-

,,ter.

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