Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
345
Einzelbild herunterladen
 

,,ter, darauf es ankommt, mit eigener Einsicht, welcheaus Sprachen und Alterthümern entstehen kann, unpar-theyisch betrachten: sondern sich nur in den Sinn kom-men liessen, daß sie aus der ganzen Schrift, selber, nacheig.ner Einsicht, ein Lehrgebäude ziehen wollten, ohneirgend cm das System ihrer Catcchismus - Jahre zugedenken? Nein! unsere symbolischen Bucher müssen,,znm Grunde liegen, nach denen müssen wir die Schrifterklären. Vicringa und Lampe waren geschickte wasckere Leute: wer kann es leugnen? und was fundensie in der Bibel? den Heidelbergischen Catechismus unddas Dordrechtische Concilium. Buddcus, Reinbeck,Mosheim haben allewege großen Nuhm: wer wollteihnen den streitig machen? Aber was sehen sie in derBibel? die Augspurgische Confcßion und Lutheri Cate-chismum. Grvlius, Epifcopius, Limborch haben vielEinsicht und Wissenschaft gehabt: ich habe nichts dage-gen. Was ziehen sie aber ans der Schrift für eineLehre? Der Arminianer. lasset uns auch Pctavio,,,Bcllarmino und andern Catholischcn mehr, das Zeug-niß einer großen Gelehrsamkeit nicht unbillig versagen.Aber was kommt aus ihrem Bibel-Forschen heraus?Die Lehre der Tridentinischen Väter. Wenn solchegroße Leute, die alles gehabt, was zum Verständeder Bibel Licht geben kann, dennoch im Blinden ge>tappt, und nichts anders darin finden können, als wasein jeder in seiner Jugend aus seinem Catechiömo geso-gen: was will doch einer, der weder Sprachen, nochAlterthümer , noch Vernunft - Kunst , noch Historie,noch Wissenschaften im Kopfe hat, dem nichts als vor-

S 3ge-