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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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»gefaßte Meynungen übergelassen sind, woran er sich hal-ten könne: was will der, sage ich, sich anmaassen, daßer aus der Schrift durch eigene Einsicht erforschen woll-»>te? Er mag sich vielleicht nach Lesung der Schrift ein-bilden, er sehe nun mit eigenen Augen, er glaube nunnicht mehr einfaltig, was seine Kirche und sein Cate-chismus sagen; und dennoch ist es nicht anders. Solange sich einer nicht aufrichtig cntfchlicsset, vor Lesungder Schrift alle seine Theologie abzulegen, und nichtszu wissen, was darinn stehe: so kann er auch nicht ler-nen, welcher der eigentliche Zusammenhang der darumvorgetragenen lehre sey. Denn wenn wir gleich allevorgefaßte Meynungen bey Seite setzen, so sind dochdie allerwenigsten Menschen fähig, aus der zerstreutenund hin und wieder versteckten Mtterie ein Lehrgebäudedes Glaubens aufzurichten. Mau kann nicht leugnen,daß das Glaubens-Bekenntnis der Hebräer und Chri-sten im alten und neuen Testamente, nicht an einemOrte, nicht im Zusammenhange, nicht deutlich durchE- klärung der Begriffe, nicht ordentlich nach Artikuln,so wie in unsern heutige» Lehr-Büchern, vorgetragensey: sondern daß alles, was dahin gehöret, bald hie,bald da, bey Gelegenheit, zum Theil ganz versteckt, o-dcr mit unbestimmten und vielerlei) bedeutenden Wor-tcn, ausser dem Zusammenhange vorgebracht sey: daßmanche Redens-Arten verblümt, weitgetrieben, dunkelund schwer zu verstehen sind; und große Uebung in derErklarnngs - Kunst, nebst Belesenheit, Wissenschaftund Sch'rfsi'nigkeit erfordern: daß vieles nicht sowohlausdrücklich dariun enthalten, als durch Folgerungen

und