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„und Vernunft - Schlüsse heraus zu bringen sey: anderes„ohne Alterthümer und Historie der Meynungen und„Redens-Arten der Alten, nicht recht verstanden werden,,könne. Daher es kein Wunder ist, daß nach der vcr-„schiedenen Einsicht der Menschen, und nach den vcrschie-„denen vorgefaßten Meynungen, so vielerlei) Systcmata„ans der Schrift gezogen sind, als Seelen und Ketze-„nyen im Christenthumc gewesen. Ein Buch, das nicht„systematisch, nicht deutlich und ordentlich, sondern so„geschrieben ist, daß hundert verschiedene Systcmata„daraus genominen werden können, erfordert einen Leser,„der ganz ungemeine Gelehrsamkeit, Scharfsinnigkeit„und Einsicht besitzet und dabey von allen Vorurthcilen„vollkommen frey ist, wenn er das darinn liegende Sy-„stem nur mit einiger Wahrscheinlichkeit herausbringen„soll. .Da ist unter taufenden, auch der Gelehrten und„Gotteögelehnen kaum einer, der alle die dazu erforder-liche Eigenschaften besitzet: für den allergrößten Theil„der Menschen, und selbst der Gelehrten, ist es eine un-mögliche Sache, sich durch eigene Einsicht ein wahres„System aus der Schrift zu bauen. Was bleibt denn,aibna, als daß ein jeder sich an seinem von der ersten„Kindheit an erlcrnetem Bekenntnisse hält. Und was-„ist das anders, als blinde Folge, Vorurtheil, Dünkel,„eitler Schein; gewiß kein zuverläßigcr, gegründeter.-,,Glaube.
M. Allein es ist damit noch nicht ausgemacht, daß'„man ein Buch, darinn eine Offenbarung enthalten seyn„soll, verstehet: man muß auch nothwendig wissen, ob„es eben die Leute, denen man etwa eine Offenbarung
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