Zeitschrift 
Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
Seite
362
Einzelbild herunterladen
 

( 3^2 ) .««...7 ^

wachsenen hat die eine Hälfte vor Christi Geburt, vonder Offenbarung, so etwa dem Israelitischen Volke ge-schehen wäre, nichts wissen oder glauben können. Undvon denen, so nach Christi Geburt gelebt, sind dieAme-rikancr und andere jüngst entdeckte Länder insgesamt,wenigstens bis ins fünfzehnte Seculum, ja viele Theilevon Europa und Asia, bis ins achte, neunte Zahrhun-dert gänzlich entschuldiget, daß sie keine Christen werdenkönnen, weil ihnen nicht gcprediget ist, noch bis aufden heutigen Tag die Bibel in alle Sprachen übersetzt,noch allenthalben Missionar!! hingeschickt worden: Undnachdem sich das Christenthum durch Schiffahrt undHandlung weiler ausgebreitet: so können doch Hey-den und Türken, thUls wegen der Gottlosigkeit undSpaltung der Christen unter sich, theils wegen ihresdurch väterliche Religion gefesselten Gewissens und äns-serlichen Zwangs, unmöglich Lust oder Gelegenheit be-kommen, sich nur einmal um die Lehre der Christenund deren Wahrheit, recht zu bekümmern. Daß daher,wenn wir alles rechnen, was nach Christi Geburt mitallen möglichen Mitteln, Gewalt und Kunst-Griffenhat können christlich werden, selbiges sich nicht auf denhundertsten Theil der gefammten Anzahl erstrecket.Wenn wir nun diejenigen unter den Christen selbst ab-rechnen, die in den Zeiten der Barbaren und Unwissen-heit gelebt, und noch leben, die nicht einmal lesen kön-nen, oder aus Armuth, aus Bosheit der Pfaffen und,,Mangcl der Bibel - Eremplarien keine Bibel habhaftwerden können; und so sie sie haben und lesen, dennochnicht verstehen: so wird wiederum unter denselben kaum

der