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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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,,Betruges, welcher ihnen von der höchsten Obrigkeitselbst bey allen Juden angehänget war, durch fleißigeVorhaltung dieser bekannten Bewachung deS GrabeSvon sich zu entfernen. Dieses war das einzige, womitsie ihre Wahrheit und Ehrlichkeit noch einiger maßenhatten retten mögen: alles andere waren petitwnezprincipi!. Da aber, ausser dem einzigen Matthäus,keiner dies,r Geschichte, an keinem Orte, bey so öftererGelegenheit, weder in Schriften noch Reden, weder vorGericht, noch bey Privat - Personen, weder zum Bewei-se, noch zur Vertheidigung, mit einem Worte gedenket:so kann sie unmöglich wahr, und würklich geschehen seyn»Es ist ein offenbarer Widerspruch: nur einen vesten Be-weisgrund haben, der sich von selbst anbietet, denselbenwissen, und so oft zu brauchen genöthiger seyn, und den-noch nimmer gebrauchen, sondern sich mit nichtigen be-helfen. Daher denn schon klar genug ist, daß Matthausdiese Geschichte allein aus seinem Gehirne ersonnen hat,weil er auf die Beschuldigung etwas hat antworten wol-len, und nichts bessers erfinden können. Allein wie ü-bel die Erfindung gerathen sey, zeiget der öftere Wider-spruch, darinn sich Matthaus in der Geschichte selbstmit sich und andern Evangelisten verwickelt»

§§.Es ist erstlich widersprechend, daß die Hohen-priesier von der Auferstehung Jesu vorher etwas wissensollten, davon die Apostel selbst, denen doch die Ge-heimnisse des Reichs Gottes offenbaret hiessen, nichtswußten. Von diesen Heisset es ausdrücklich: sie xvuß-ren die Schrifr noch m<hr, daß er von den Tod-

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