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Zur Geschichte und Litteratur : aus den Schäzen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel / von Gotthold Ephraim Lessing
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ren auferstehen müßte. Und daß dieses wahr sey,».zeiget ihr ganzes Betragen. Sie klagen, daß ihre Hoff-nung von der Erlösung Israels mit seinem Tode ganzaus sey. Sie kommen mit Speecreyen zum Grabe, inMeynung, daß er, gleich andern Verstorbenen, auch todtbleiben und in die Verwesung treten werde. Ja, alssie den Körper nicht im Grabe finden, fallt ihnen noch,inichts von seiner Auserstehung ein, sondern sie schliesset!bloß daraus, er müsse weggenommen, und ander?wohingetragen seyn. Ein Theil will sogar seine Auftrste-hung durchaus nicht glauben, nachdem sie ihnen schonberichtet worden. Mit einem Worte, bis an Jesus Tod, und kurz nachher, haben seine Jünger von keinerAuferstehung etwas gewußt, gehöret, oder daran ge-dacht. Wie ist es denn möglich, daß den Hohenprie-stern und Schriftgelehrten etwas davon bekannt gewesenseyn sollte? Und daß sie daher auf die Vorsicht gefallenwaren, das Grab mit einer Wache zu besetzen. 2 ) Istes sehr unglaublich, daß Hohepriester und der ganzeRath am ersten Oster-Tage öffentlich zu Pilato gehen,und hernach mit der Römischen Wache in Proeessionzum Thore hinausgehen und daS Grab versiegeln soll-ten. Denn, anderer Umstände nickt zu erwähnen, sotiefes wider der Juden Gefetz und Gebrauche, sich amFeste, da sie insonderheit still und rein seyn mußten, mitsolchem Gewerbe abzugeben, sich unter die Heiden zuMengen, oder ein Grab anzurühren. Waren doch dieJünger Jesu, wie es Heisset, den Fest-Tag über stillenach dem Gesetze: wie sollten denn die Hohen-Priester»»sich öffentlich vor dem Volte so vergehen, und lnsonder-

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