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für Zeit und Ewigkeit verlorener Mensch, Das soll der Norbertusverein verhüten.Er will dem ins akademische Leben eintretenden Jüngling auch einen Chor entgegen-führen, der ihn als den scinigen aufnehmen will, aber einen Chor pflichtgetrener, deöLebenö Ernst erkennender, einem höhern Ziel entgegenstrebender Jünglinge, Dieselbensollen sich durch KindeStreue gegen ihre gemeinsame Mutter, die heilige Kirche, aus-zeichnen, in folgendem Gebet um die kirchliche Wiedervereinigung des gemeinsamenVaterlandes zusammenfinden:
„Heiliger Bonisacius! Heiliger SinSgariuS! Heiliger Norbert! große HeldenChristi! feste Stützen des deutschen Bisthums! Ftehec an mit unS Jesum Christum ,daS ciuzige Heil der Menschen, daß er sich erbarme über unser liebes deutsches Vater-land und wiederum seine Stämme im Schooß der heiligen Kirche zu einem — einigen— starken — christlichen Volk vereinige. DaS walte Gott ! Amen!"
Seit der kurzen Zeit seines Bestehens zählt der Verein schon über tausend Mit-glieder, junge Leure, denen mehr oder minder die Zukunft anheimgegeben ist. DieAkademiker von Münster uud Paderborn , die Zöglinge der bischöflichen Seminarienbeivcr Städte gehören beinahe insgesammt demselben an. Bereits hat er sich auchnach Breslau verpflanzt. In Münster befindet sich das Centralcomite desselben.Der hochwürdigste Herr Bischof von Münster hat das ihm vorgelegte Gebet genehmigtund eine Billigung des Vereines selbst ist bereits von dem hochwürdigsten Herrn Bischofvon Fulda eingetroffen. Je mehr die Negierungen bloß daö Lehrwesen an den Univer-sitäten inö Auge sassen, desto nothwendiger wird, desto erfreulicher ist es, daß durchden bessern Theil der stubirenden Jugend, durch ihr vereinigtes Zusammenwirken das-jenige supplirt wird, was die Vergangenheit noch zu würvigen wußte, die aimlichwirkende Gegenwart ihrer Aufmerksamkeit nicht mehr für werth erachtet. WeßhalbGlaubenstreue und kirchliches Bekenntniß, da ja gothische Grammatik studirl werdenmuß! (Oesterr. Volksfi.)
Die barmherzigen Schwester»» in Ehingen .
Ehingen . (Vom geistlichen Vorstand: Stadtpsarrcr Zimmerle.) ES bürstenicht ohne Interesse seyn, einen Verein, dessen allmäligcS Ausireten so-verschiedeneUrtheile erzeugte, etwas näher kennen zu lernen. Es sind vier Jahre, daß fünfJungfrauen dahier zusammeniraien, gelrieben vom Geiste Dessen, der jeden seinerSchritte mit Wohlthun bezeichnete, um gleich ihm sich der Pflege der Leidenden undKranken zu widmen Nicht lange konnte solch wohlthätiges und uneigennütziges Wir-ken verborgen bleiben, als ihnen von Seite der städtischen Behörden Wuhnnng imSpital eingeräumt, und später gegen die Uebernahme der Küche und der Verpflegungder Hospitanten der Aufenthalt, so wie von Seite der Kirchenbehörde die Constituirungeiner förmlichen kirchlichen Genossenschaft zugesichert wnrde. Dieser erweiterte Wir-kungskreis brachte auch daS Bedürfniß einer vermehrten Schwesterzahl, die daher bisaus fünfzehn stieg. Innerhalb der Spita mauern waren eS, um nur vom letzten Jahrzu reden, außer etlich und vierzig Hospitalilen, die größtentheils des Alters odersonstiger körperlicher und geistiger Gebrechen wegen Hilfe bedurften, sechzig Personenbeiderlei Geschlechts, die bald auf der Reise erlegen, bald als Dienstboten in Privat-hänsern erkrankt, in den Spital gebracht, bei den barmherzigen Schwestern ihre Pfle-gerinnen fanden. War eS nun einerseits der Geist der Liebe und Sorgfalt, der sichin der Krankenpflege bcS Hauses, so war es andererseits hauptsächlich der der Umsichtund Ordnung, der sich im Haushalte selbst offenbarte. — Doch damic sollte ihreHauptaufgabe noch nicht gelösc seyn, denn diese sollten sie finden in der Pflege derKranken in den Häusern der Stadt, deren in diesem Jahre dreiundneunzig beiderleiGeschlechts ihre Hilse in Anspruch nahmen, wovon cinunvvierzig am Schleim- undNervensieber, die meisten übrigen aber an beschwerlichen vst ekelhaften Uebeln dar-nicderlagen, und fünfundzwanzig davon nicht eher verlassen wurden, biö sie selbst dasZeitliche verließen. Und war eS so die barmherzige Schwester, die durch ihre uner-