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Beleg der schönen Uebereinstimmung der ächten Naturwissenschast und der Lehre derOffenbarung. Nun folgten meist poetische Vorträge, und zwar zuvörderst in asiati-schen Sprachen. Ein Alumnus auS Dublin tcclamirte ein hebräisches Gedicht überden Spruch des heiligen Leo: „0 cooea (llerociis) stultae aemulationis impietas,czuae perturbancium putss ciivinum wo suroro eonsilium!" Zwei schlanke AlumnenauS Mossul sprachen all- und neu-chaldäisch, syrisch und arabisch; einer auS DamascuSsprach alt-armenisch, einer auS Konstantinopei neu-armenisch. Ein Giorgio de CrnzauS Nangoon im Virmancnreiche trug mit dein Motto: ,,^o pregoero per I» Lina!"ein chinesisches Gedicht vor — mit einer Gemüthlichkeit und einem Wohllaute überalle meine Erwartung. Die Einsilbigkeit der Wörter machte sich jedoch manchmaldurch gesonderte Tonstöße genügend bunerkbar. Ein Georgier sprach über den kind-lichen Glauben der Waisen des Morgenlandes; Giovanni Mac Jessey auS Bombaideclamirte persische Verse; derselbe trug mit zwei College» auS Cork und Calcutla einehinvostanische Ekloge vor. Der dreizehnte Vortrag war singalisch, der vierzehnte bir-manisch, der fünfzehnte bengalisch, der sechzehnte türkisch. Von den Sprachen Euro-pas waren vcrireicn: die alt-griechische, die neu-griechische, die laieinische, französische,italienische, portugiesische, illyrische, cellische, holländische, lappländische, deuische(auch der Schwcizcrviateli), die dänische Sprache, die russische, die englische (VersiInglesi, Versione Irlimeleso, poesig Lco^eso), die schwedische, die ungarische, dieromanische, rhalische, die walachische. Verzeihen Sie die Unordnung; die Aufzählunghielt sich mit geringer Ausnahme an die Reihenfolge der Vorträgt. — Sprachen vonAfrika bildeten die dritte Abtheilung. Drei braune Egyptier trugen in kräftigemTone eine koptische Ekloge vor. Ein vierter Egypiier, Antonio Raccrb von Nedi,gab eine Protc deS Thebenischen; der Abyssinicr Maria TeSfage von Adua sprachzuerst äthiopische Verse, dann vrosa ^msrioii. Der Spruch: „Lentes, czuue l'o nonrwverunt, in^oeavunt Iv, et ponuli, <zui 1e neseierunt, i>cl 1'e eontugienl" wurvein der Sudansprache von einem Moh-en ausgeführt, dessen Schwärze die des Abyssi-nicrS noch weit übertraf. Zum Schlüsse traten noch sieben junge Eleven zugleichhervor, und jeder richtete an die Versammlung einen besondern Spruch des Dankes.Ein kleiner stämmiger Amerikaner von eiwa zwölf Jahren, mit rothen Wangen undröihlichen Haaren, erweckte durch die Frische des Voriragcö und durch den unbefan-gensten Frohsinn bei den Zuhörern allgemeine Heilerleir. Die gesammte Feier dauerteanderthalb Stunden. Unter allen diesen Sprachen tönten mir die äthiopische undindische am weichsten anS Ohr, so daß ich gerührt wurde, obgleich ich keine Sylbeverstand. — Die Aluiniien hielten ihren Tcrl in der Hand, und mehrere machten imAugenblicke veS Nothfalls davon einen flüchtigen Gebrauch. Vielleicht die allerbestenDcclamaioren waren gerade die zwei Candidaten auS dem österreichischen Kaiserftaate:Giacomo Motter von Trient, der mit hinreißender Begeisterung in einer italie-nischen Ode die Hoffnungen der katholische» Kirche anösprach, und Franz Nichtervon Hermannttaot, ver seiner Heimat und den Lieben daselbst ein Lebewohl zurief,welches in mir selbst ein Heimweh erweckte: aber eine hehre Stimme mahnte zumOp>cr der Trennung und das Glaubenöbanner sügie sich in seine Hand. In fernsteLänder will er es tragen. Die Wogen dcö Meeres tosen empor; reißende Tdicredrohen in der Wüste; Dolche und Marterwerkzeuge erscheinen. Aber der jnnge Mis-sionär blickt zum Himmel, schwingt daS Banner und cill in die Weite. Vlüiend sinkter nach gesegnerei» Wirken zusammen. Die Seele wiro srei und schwebt in die wahreHeimat und findet dort die Lieben wieder. — Welche Gnade und welche Wonne ist eS,Katholik zu seyn! (Salzb, Kbl.)