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genommen, und mit List und Gewalt fortgeführt, bis ein neues Gottesgerichtihr.cn ein gebieterisches Halt zurief. Während nun die Regierungen der deutschen Grcßstaaten, durch Erfahrungen klug gemacht, der Kirche gereckt zu werden anfangen,fchen wir die deutschen Kleinstaat«» einem pflichtgetrcnen Episkopat gegenüber dieConsequenzen dc6 StaatSkirchciuhumS selbst auf Kosten der Ruhe und Ordnung ihrerStaaten ans die äußerste Spitze treiben. Zu schwach, den Kampf gegen daskirchliche Oberhaupt aufzunehmen, geht ihr ganzes Streben auf die Unterdrückung deSkirchlich-gesinnten KleruS ihrer Territorien. Und doch sind sie nur die Wurfschaufelin der Hand deS Herrn, der im Sturme der Verfolgung seine Tenne von der auf-gehäuften Spreu reinigt. Jeder kirchliche Conflict mit einer kirchenseindlichen Staats-behörde ist ja ein kategorisches Ultimatum, welckeS der göttliche Weltrcgenteinem Volke zur letzten Enlscheidnng vorlegt. Stellt sich die öffentliche Meinungim Volke auf die Seite der Kirchenverknechter, so geht es seiner politischen »ndsocialen Auflösung unaufhaltsam entgegen; widersteht eö dagegen der Versuchungzur Spaltung und Trennung, so wird sein Kern durch das neu erwachende kirchliche^cbcn erfiischt und erneuert, so daß eS neu erstarkt durch seine sittliche Kraftjevem äuß rn und innern Feinde seines gesellschaftlichen LebeuS Trotz bieten kann.Das ist ein uraller Crfahrungssatz der Geschichte, dessen Wahrheit auch der Auö-gaug deS unheilvollen Conflictes in der oberrheinischen Kirchenprovinz neuerdingsbestätigen wird. (W. K.-Z.)
Der heilige FranciscuS als Patron deS Vereines gegen Thier-qualerei.
Unter allen Heiligen hatte vielleicht keiner eine so innige und zarte Liebe zuallen Geschöpfen, aiö der große OrdcnSmann des Mittelalters, der heilige Franz vonAM, Cr verachtete auch die Kleinsten und Geringgcachteisten nicht, sondern erinnertesich ihres gemeinsamen Ursprungs; uuv nannte sie seine Brüder und Schwestern. ImFri.dcn mit allen Wesen, gewissermaßen zur ersten UnschuldSzeit zurückgekehrt, floßsein Herz über von Liede, nicht allein für die Mcnschen, sondern auch sür alle Thiere,die weiden, die fliegen und die kriechen. Wo die Augen Anderer nur vergänglicheSchönheit crblicklcu, eindeckte er mit höherer Scharfsicht die ewigen Beziehungen,weiche die sächliche Welt mit der siltlichcu Ordnung verknüpfen, und die Geheimnisse-der Nainr wie des Glaubens. Als Beleg hicfür wollen wir einige Züge aus demLeben deS heiligen Franciöcuö zusammenstellen, und dadurch die Uebcrschrist dieserZeilen rechtfertigen. Wir benützcn dabei das dem sei. Cardinal Diepenbrock gewidmeteBuch: „J-aliens Franci^caner-Dichter im 43ten Jahrhunderts, von Ozanam."
Manchmal lobte der Heilige stundenlang den Kn-stfleiß der Bienen, und ließihnen, selbst alles cnibehrcnd, im Winter Honig und Wein spenden, damit sie nichtvor Frcst umkämen. — Seinen Schülern stellie er als Mnster den Fleiß der Lerchen,die Unschuld der Turteltauben auf. — Nichts kam aber seiner Zättlichkeii sür dieLäuim.r glcich, die ihn an die Demuth und die Sanfimuth deS Heilandes erinnerten.Die Legende erzählt, er habe, als er mit einem Ordensbruder in der Mark Ankonawandcrie, einen Menschen getroffen, der zwei kleine Lämmer an einem Stricke aufgehängtauf der Schulter trug. AIS er ihr Blöcken vernahm, wurde cr auf'ö Innigste davongerührt, und näherte sich dem Manne, zu dem er sagte: „Warum quälst du dieLämmlein, indem du sie also gebunden und aufgehängt trägst?" Dieser antworteteihm, cr brauche Geld, und trage sie auf den nächsten Markt, um sie den Metzgernzu verkaufen, die sie schlachten würden. Da ries der Heilige: „DaS wolle Gott verhüten, nimm lieber diesen Mantel, den ich umhabe, und schenke mir dafür dieseLämmer!" Dieß gefiel dem Andern sehr, er gab ihm die Lämmer, und nahm dafürden Mantel, der groß und viel wcrthvoller war, und den ein gläubiger Christ demHeiligen am nämlichen Morgen wegen der großen Kälte erst verliehen hatte. Da