Ausgabe 
14 (12.2.1854) 7
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hielt nun FranclScuö die Lämmer in seinen Armen, ohne zu wissen, was er mit ihnenmachen solle, gab sie aber, nachdem er darüber mit seinem Reisegefährten zn Rathegegangen war, ihrem ersten Besitzer zurück, indem er ihm daö Versprechen abnahm,sie niemals zu verkaufen und ihnen kein Leid zuzufügen, sondern sie zu behalten, zufüttern und rechte Sorge für sie zu tragen. Solche fast brüderliche Liebe zu denGeschöpfen erwarb aber mich mit Gewalt, früh oder spät, Gegenliebe, und dieeinfachen Erzählungen der Zeitgenossen bestä>izen cS, daß die Thiere den Heiligenumgaben, um ihn zu bewundern und ihm zn dienen, gleichsam als ob sie in demabgemagerten und durch Fasten und Nacktwachen erschöpf-en Büßer von Assist, fastnicht mehr die irdische Gestalt, sondern nur noch daS Abbild GotteS erblickien. DieHasen und die Fasanen flüchteten sich in die Falten seines GewandeS, und wenn erbei einer Trift vorbeigehend die Schafe nach seiner Gewohnheit mit dem Schwesternamenbegrüßte, sollen sie ihre Häupter erhoben haben und ihm gefolgt seyn, indem sie ihreerstaunten Hirten verließen. Er selbst fand^, bereits längst den Genüssen der Menschenentfremdet, süßes Vergnügn an diesen Festen, welche ihm die Thiere deS Feldesbereiteten. Eines Tages, da er durch das Thal von Spoleto schreitend, nahe beiBevagna an einen Platz kam, wo sehr viele Vögel, besonders Sperlinge, Krähenund Tauben nisteten, verließ er, in seiner großen Liebe mich für die vcrnunstlosenGeschöpfe, auf kurze Zeit seine ans der Straße wandelnden Gefährten. Da sah er,wie er näher kam, daß die Vögel ihn erwarteten, und grüßte sie nach seiner Gewohnheit.Bewundernd, daß sie bei seinem Anblicke nicht davon geflogen waren, srente er sichinnig, und bat sie demüthig, das Wort GotteS zu vernehmen. Er sprach zu ihnen:Ihr Vog-lein, meine Brüder, ihr besonders müßt curcu Schöpser loben und ihn stetslieben, denn er hat euch Fevern gegeben, um euch zu decken, Flügel, um zu fliegen,und Alles, dessen ihr bedürftig scyv. Er hat euch unter allen Werken seiuer Händebesonders geadelt, und euch eure Wohnung in dem reinen Striche der Lust bereitet."

Wie er selbst berichtet und seine Gefährten bestätigen, nahmen die Vögel beiliefen Worten jeder seine eigenthümliche Stellung an, und schlugen mit den Flügeln.Er aber ging mitten unter ihnen hin und her, und streifte sie dabei mit dem Saumeseines Gewandes. Darnach aber segnere er sie, und gestattete ihnen, nachdem er daSZeichen des KreujeS über sie gemacht hatte, davonniflicg/n, worauf er sich innerlichsehr gelrcstet wiever zu seinen Schülern begab. Kurz vor seinem Tode hatte ernoch die Freude, ein großes Festmahl zu geben, zu dem er die Thiere cinlnd. ESwar am Wcihnachtstage in Grecio, daß er diesen Sieg der Einfalt, der Armuth undder Demuth feierte. Man halte in der Mitte eines Gehölzes einen Skall errichtet,und in diesem war Hen, ein Oeche'lcin und ein Eselein, während die Krippe alsAltar diente. Die Franciscaner strömten aus vielen ihrer Klöster in der Nachbarschaftherbei, und sehr viele Umwohner wallten mit brennenden Fackeln, geistliche Liedersingend, von den Bergen herab. Diese Nacht, von der daS Licht der Well ausgegangenist, sollte keine duiu.e seyn. Der heilige FrcmciscnS diente freudenvoll als Diaconusbei der heiligen Messe, und sang feierlich das Evangelium, Er predigte dann demVolke von der Geburt Christi und der hohen Bestimmnng Bethlehems u, s, w. Seitdiesem Tage ist eS, daß sich mit päpstlicher Gutheißung die schöne Sitte, erst inJialien und dcwn auch in Deutschland nnd Nier-erlanv verbreitet hat, ans WeihnachtenKrippen zu bauen, und an denselben bei dem vom Christkinde ausgehenden Lichtglanzezu opfern. Wie Bonavcntura erzählt, sangen die Lerchen ans dem Dache deSHauses, worin die Leiche des heiligen FranciScus lac>,> mit den Brüdern Trauerlieder.Ist daS zu wundern?

Wohl mag es nicht an Solchen fehle», welche vornehm auf des Kindischeherabsehen, was man vielleicht in dieser Freundschaft deS heiligen Franciscus für dieLämmer und die Tauben findet; allein derselbe Manu, der einfältig genug war, denVögeln zu predigen, rief die Bürger auf den Märkten von Padua , Brescia, Cremonaund Bologna zusammen, nnd sing seine Ne?en an sie mit dem Wunsche deS Friedensan; dann ermähnte er sie, die Feindschaften auszulöschen und Sühnverträge unter