Ausgabe 
14 (19.2.1854) 8
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ohne Kaste, ohne wahre Religion, ein Kuh- und Schweinefleischesser, ein Mletschtscha,d. i. ein Unreiner. Auch sagten sie mir einmal:AuS deinem Munde religiöse Ge-spräche anzuhören, ist unö Sünde/"' So wie meine Person, hat auch meine Predigtnichts Anziehendes für sie. Krischna ist ihr Erlöser, den sie leidenschaftlich lieben.Dessen ungeachtet dürfen wir nicht müde werden. Gott hat sich bereits Zeit undStunde ersehen, wo er über dieses unglückliche Land die Sonne der Gerechtigkeitwird aufgehen lassen Nur wenn ich auf mich selber sehe, will mir zuweilen derMuth entgehen. Ich liebe selber den Herrn so wenig; wie kann ich verlangen, daßAndere ihn lieben? Ich bin so kalt im Dienste meines Herrn, so leichtsinnig in derErfüllung meines Amtes; wie ist eS möglich, daß er meine Arbeit segne. SolcheGefühle meiner Schuld und Untüchtigkeit, verbunden mit dem Gedanken an die völ-lige Fruchtlosigkeit meiner Arbeit drückten mich in diesem Jahre oft sehrdarnieder, und meine gänzliche Einsamkeit macht meine Lage noch hoffnungsloser."

^Schluß folgt.)

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Tablomanie,»nb Nekromantie.

5 Als vor Kurzem ein Landmann vom Tischrücken und Tischklopfen und dessenwundersamen Erscheinungen erzählen hörte, rief er auS:Das muß vom Antichristherkommen, der im Jahre 1853 geboren worden seyn soll!" Dieser Ausruf magwohl anfangs lächerlich vorkommen. Allein wenn man bedenkt, was der ApostelPaulus im zweiten Brief an die Thessalonicher schreibt, so kann statt des ScherzesErnst und Besorgniß eintreten. Nach den Worten des Apostels geschieht dieAnkunft des Menschen der Sünde und des Sohnes des Verderbensgemäß der Wirkung des SatanS mit allerlei Kraft, Zeichen undfalschen Wundern. Wenn man nun die außerordentlichen Phänomene des Tisch-RückenS- und Klopfens näher betrachtet, so möchte man annehmen, unsere Zeit ver-setze sich in das Gebiet der Zauberei oder d-S WeibeS mit dem Pythonsgeiste zu Endor,um sich dort den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele zu holen, der so ziemlichbeseitiget wurde, weil ihr die Unsterblichkeit deö Leibes lieber wäre, den ja der Todin seinen sinnlichen Genüssen so unangenehm stört. Von dieser Seite betrachtet, Härtedie Zauberei, Wahrsagerei und Todtenbeschwörung noch etwas Gutes, wiewohl dieserWeg zur Kenntniß der Unsterblichkeit der Seele zu gelangen nicht der rechte ist, son-dern der Glaube der Kirche. Aber wenn man auf der andern Seite liest, wie mei-steng die zweierlei Geschlechter bei'm Tischrücken die Kette bilden, so kann man denVerdacht grober und feiner Sinnlichkeit nicht ganz ferne halten, wodurch der unreineGeist den Reiz der Wollust in die Herzen, besonvers junger Leute eingießt, und eSwird gewiß jeder Seelenführer die Jugend vor dem höllischen Verführer der Mensch-heit warnen, um sie vor dessen Schlingen zu bewahren. Folgende Erzählung deSgelehrten und frommen Jeremias Drerelius auS Augsburg , dessen Schriften vonKatholiken und Protestanten gerne gelesen wurden, möchte hier nicht am unrechtenOrte stehen, um besonders die Jugend vor verwegenem Spiele mit unbekanntenMächten und Gefahren zu warnen. Einem Jüngling träumte, er sey vom Racheneines Löwen getödtet worden. Er steht auf, merkt nicht mehr auf den Traum undgeht mit seinen Kameraden zur Kirche. Auf dem Vorplatze derselben sieht er einensteinernen Löwen mit offenem Nachen, der einer Säule zur Stütze diente. Hiererzählte er mit lachendem Munde den Genossen seinen Traum und sprach:Sehetda, der ist jener Löwe, der mich heute Nacht zerriß" Mit diesen Worten steckreer die Hand in den Rachen und rief auS: Hier hast du deinen Feind, beiße mitdeinen Zähnen, wenn du kannst!" Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so erhielter eine tödtliche Wunde in diesem, wie er glaubte, unschädlichen Schlunde. EinSkorpion nämlich war in dem untersten Theile des Rachen verborgen gewesen, der,als er die Hand fühlte, seinen Stachel gebrauchte und den jungen Spötter tödtcte.