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Wer erinnert sich bei dieser Erzählung nicht an die Worte des Apostels Petrus -„Seyd nüchtern und wachet: denn euer Widersacher, der Teufel, gehtumher wie ein brüllender Löwe, und suchet, wen er verschlingenkönne." Lasset euch nicht berauschen und einschläfern von der Wuth unserer Zeit,die Alles wissen möchte vom Orakel der Tische, nur das Eine nicht, waö am noth-wendigsten zu wissen wäre.
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Die Kirche und der Findling.
„Lasset die Kleinen zu mir komme», denn ihrer ist daS Himmelreich!" Mit diesenWorten breitet der göttliche Heiland sein mildes Scepter auS über die Geringsten aufErden, über die Kinder, die er aber zu den Größten im Himmelreiche bestimmt hat.Und fürwah?, es ist etwas Großes um diese Kleinsten! Im jugendlichen Alter stelltdie kirchliche bildende Kunst die Engel deS Himmels dar, als wollte sie sagen, daßsie nur in der noch unentweihten Jugend des Menschen ein würdiges. Abbild desengelreinen Lebens der himmlischen Geister finden könne. Dem Kinde räumt die Kircheden Platz zunächst dem Presbyterium ein, als möchte sie zunächst nnr in den Kinderndie Stellvertreter der am Throne Gottes betenden und lobsingenden Engel Goiteöerkennen. Der Name eines Kindes ist der Ehrenname des Christen, der zur Freiheitder Kinder Gottes durch die Taufe erhoben ward, ist der Ehrenname der Gläubigen,die der heilige Johannes mit dem rührenden Worte: Kindlein! anredet. Diese Würdeund Auszeichnung eines KindeS, daS wohl durch die Geburt ein Kind des göttlichenZornes, durch die Wiedergeburt im Wasser und heiligen Geiste aber ein Kind derGnade geworden, macht uns auch die Schwere deS Aergernisses erklärlich, das derHeiland mit den Aergernißgebenden selbst in die Tiefe des MeereS versenkt wissen will,sie macht uns aber ferner die heilige Verantwortung aller ferer erklärlich, die vonChristus die Kinder anvertraut erhalten haben zur geistigen, zur sutiicheu Pflege.Wer sind diese wohl anders, als die Eltern und Priester, ihre leiblichen und geist-lichen Väter? Die Geburt deS Kindes in ihrem Schooßc gibt der Mutter ein natür-liches Anrecht auf das Kind, legt ihr al'er auch'zugleich eine natürliche Pflicht auf,für dasselbe zu sorgen in geistlicher und leiblicher Hinsich'. Tritt dieses Recht, diesePflicht nicht in ungleich höherem Grade in dem Augenblicke ein, in welchem die Kirchedurch ihren Priester dem Kinde Mutter wird, in welchem sie im Sinubilve der Stolaihre schützende, segnende Hand über dasselbe breitet, um diese Hans nie mehr vonihm zurückzuziehen, sondern sie noch segnend auszustrecken über die Wiege des TodeS,daS Grab? Und wenn anch die leibliche Mutter vergessen könnte ihres eigenen KindeS,wenn sie auch gottvergessen genug wäre, daß eS ihr glcichgiltig seyn möchte, ob daSKind an Seele und Leid gedeiht oder nicht, so kann d ch die freie Mntter, die Kirche,die obwohl die unfruchtbare, genannt, doch fruchtbarer ist als alle Mütter, des Kindesnicht vergessen, sie übt Mulierpflicht, indem sie daS verlassene Kind großsäugt mitder reinen Milch des unverfälschten, heiligen, katholischen GlanbenS. Ja, Gott seyDank! müssen wir auSrnfen für die Kinder, Gott sey Dank, daß ihnen Gott in derkatholischen Kirche eine so treue, zärtliche Pflegemutter gegebeu hatl Kindermord undAussetzung des Kindes nach der Geburt, diese zwei Brandmale e-'nes jeden heivimchenZeitalters, hat die katholische Kirche znerst durch ihren Criminal-Coder als himmel-schreiende Verbrechen gelennzeichnet, noch lange bevor der Staat sich dazu dernsenfühlen konnte. Es sind unlängst in einer Plcnar-Versammlnng des Wiener-Severinus-vereins in warmer Rede die Schattenseiten der sogenannten Findelhäuser aufgedecktund es ist hierbei bemerkt worden, daß durch Abschaffung oder möglichste Beschrän-kung dieser Anstalten dem Staate mehr gcnützt werden könne. Wir verkennen nichtdie gewichtigen Gründe, die den Redner zu diesem Wunsche veranlaßten, allein wirmöchten diese armen Geschöpfe, die das Perbrechen in die Well setzte, die in denHänden ihrer natürlichen Mütter oft mit derselben Unnatur behandelt würden, wiedieß bei jenen Leuten der Fall ist, denen sie jetzt in Pflege und Erziehung gegeben