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werden, wir möchten die Findlinge den Händen wieder anvertraut sehen, denen sieeinstens anvertraut waren, den Hände» der Kirche, den Händen einer religiösenBruderschaft, eines OrdenS; denn man kann eS nicht oft und nicht laut genug nachallen Seiten hin rufen: Nur die katholische Kirche und Niemand außerihr ist im Stande, die tief eiternden Geschwüre unserer socialenGegenwart zu heilen. Keinen neuen Rath gebe ich hiermit, denn nichts Neuesgibt es ja unter der Sonne. Die ersten Tenodochien, als Hospize für Arme, Waisenund Kinder unnatürlicher Eltern geschaffen, wer schuf sie denn anders als die katho-lische Kirche , die schon auf dem ersten Concil zu Nicäa Bestimmungen darüber erließ?Ein Priester in Mailand war es, der im Jahre 787 ein an die Kirche gränzendesHauS zn eben diesem Zwecke kaufte und unter die Leitung der Kirche stellte, wie seinschönes Epitaphium sagt: „Lanete, msmento, Oeus, <zuis eoncliäit isto vstliaeus —Hsne aulsm missris suxilio pueris." Und von da an verbreitete sich dieses Werkchristlicher Liebe über alle Länder Europas ; der Herd der Liebe, wie der Herd desGlaubens aber blieb Rom ; denn von hier ans bestätigt und gesegnet ging im eilstenJahrhundert der Orden vom heiligen Geiste auS in die ganze Christenheit,einzig sich weihend dem Dienste der Findlinge. In Rom selbst ließ Jnnocenz III. dasHojpilal vom heiligen Geiste zunächst St. Peter bauen und übergab es dem Ordenzu obigem Zwecke, und so besteht es annoch, gleichsam als wollte der heilige Vaterdie ärmsten seiner Kinder recht nahe bei sich haben. Dorthin werden die neugebornenKinder gebracht. Niemand fragt, wer sie gebracht hat. Von Ammen gesäugt, kom-men sie im Alter von drei Jahren in besondere Gemächer. Da bleiben die Knaben,bis sie im Stande sind, sich selber fortzubringen, die Mädchen bis zum heiraths-fähigen Alter, in welchem sie dann, wenn sie sich verehelichen wollen, mit hundertrömischen Thalern ausgestaltet werden.
Ueber alle Bedenken und Einwürfe, die einem derartigen katholischen Instituteentgegengehalten werden könnten, siegt die-katholische Liebe, die sich der Zukunft, jader Ewigkeit eines unsterblichen Wesens, eineö Kindes anzunehmen berufen fühlt.Nur auf dies.in Siandpuncte gewinnen wir den richtigen Maaßstab zur Beurtheilungunserer gegenwärtigen Humanitätsanstalten, die nichts weiter sind als ein im Hohl-spiegel der modernen Philantropie gewordenes Zerrbild der christlichen Nächstenliebe.Bis diese traurigen Zustände durch eben jene Mutter, die man aus ihrem Anrechtauf das Kind verdrängt hat, durch die Kirche wieder gehoben werden, wird esheiligste Pflicht jedes Pfarrers seyn, gewissenhaft in seiner Gemeinde, bei Personen,' die Findlinge in Pflege nehmen wollen, alle, namentlich die religiösen Vorbedingungenfestzustellen und darnach erst das Zeugniß der Würdigkeit zur Aufnahme deS Findlingszu ertheile», dann aber eben so gewissenhaft sich darum zu bekümmern, ob die Pflegedes Findlings eine physisch und moralisch gedeihliche sey und sich nicht bloß mit dermonatlichen einfachen Lebensbestätigung abzufinden. Es supplire der Ortsseelsorgerden Ordensbruder vom heiligen Geiste! (Salzb. Kbl.)
Das Armenwesen vom katholischen Gtandpuncte betrachtet.*)
I.
Allgemeine Betrachtung.
Für Jeden, der an der Aufhilfe der jetzigen Menschheit arbeitet, ist dieObsorge für die Armen ein höchst wichtiger Gegenstand; er wird in dem Gradebedenklicher, als der natürliche Boden hiefür verlassen und auf einen trügerischenhinübcrgeschritten wurde. Wie ein drohendes Gewitter steht nunmehr der Paupe-riSmuS an unserm Horizont; er terrorisirt buchstäblich Land und Leute, ist einem
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