Ausgabe 
14 (19.2.1854) 8
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geworfen, dem ist nicht so. Er mißbilligt die hartherzige Behandlung der Juden, dieFolter der Angst, auf die Antonio gespannt wird, erscheint zum Theil als eine Strafedes Betragens, welches Shylok mit den Worten schildert:Werther Herr, ihr spietmich an, ihr mißhandeltet mich, nanntet mich Hund." Allein Shakespeare ist ebenso wie er zu menschlich und christlich ist, um jener unwürdig feindseligen Handlungs-weise gegen ein von Gott geschlagenes Volk beizustimmen, auch zu sehr Mensch undChrist, um das moderne Lied von der jeden Glaubensunterschied verwischenden Judeu -Emancipaticn zu singen, und sein scharfer menschlicher Blick durchschaut die unheil-bringende Gewalt, durch welche der Unterdrückte den Unterdrücker unter das Jochbringen kann, die Gewalt des durch Wucher gehäuften Reichthums nämlich, welchedie Freiheit des Christen um so mehr bedroht, je mehr er, wie Bassanio, einer welt-lich leichtsinnigen Richtung ergeben ist. Der Mohr hingegen ist ein Christ, und solang seine Leidenschaft ihn N'cht überwältigt, der Edelste seines Stammes, tapfer,klug, bescheiden, Heldenhast und gefühlvoll. Aber daS Erbtheil deS alten Flucheswohnt als Versuchung in ihm, eS ist sein heißes, afrikanisches Blut, Wenn erWiderstand leistet, wird er srei seyn; im entgegengesetzten Falle gewinnt die urväter-liche Verwünschung Macht über ihn. Nicht die Eifersucht ist der Anfang seinerSchuld; denn der Argloseste hätte, von der teuflischen Tücke eines Jago gestachelt,das Unheilvolle glauben müssen, Aber schon durch seine Verbindung mit DeSdemonafällt er mit freier Wahl der unseligen Schickung heim, indem er, gleich dem UrvaterCham, den Fluch seines Vaters auf sich ladet, da er heimlich das Mädchen znmAllare führt, von dem er weiß, daß er eS mit des VaterS Willen »ie als Weibbesitzen dürfte, Dnrch diese unchristliche That ist der gebundene Heide wieder in ihmentfesselt und treibt ihn dahin, nicht nur den Verleumdungen deS Jago Glauben zuschenken, was unter solchen Umständen wohl auch ein Christ mit europäischem Blntegethan hätte, sondern auch dahin, an der Schuldig-Geglaubten durch MordRache zu nehmen, was er auf dem christlichen Standpulicte nie gethan hätte. Undendlich treibt eS ihn in diesem thatsächlichen Nücksall inS Heidemhum dahin, dieSchuld sühnen zu wollen durch Schuld, indem er sich selbst entleibt. So sehen wireinen Kerrlichen Helden, Schritt vor Schritt.durch freie Wahl in die ererbte Nachtzurückstürzen, aus welcher er durch das Licht des Christenthums schon einmal befreithervorgegangeil war. (W. Kirchenz.)

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Gran. DaS Innere der Metropolitankirche, an welchem bereits seit längererZeit gearbeitet wird, geht mit raschen Schritten seiner Vollendung entgegen. Um sicheinen Begriff von den Malerarbeiten, welche unter der Leitung Ludwig Moralts ausMünchen ausgeführt werden, zu machen, genügt es zu bemerken, daß das Decken-gewölbe deS Sanctuariumö 4730 Quadratschuh mißt. Die Tischlerarbeiten werdenvon dem rühmlichst bekannten Wiener Leistler in einem dem Bauwerke entsprechendenkünstlerischen Style angefertigt. Ueberhaupt ist die Graner Kirche daS großartigsteBauwerk, welches die Monarchie in der Neuzeit auszuweisen hat.

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W i e n.

Wien . Nach ganz verläßlicher Mittheilung wird in Kürze ein frommer Wunschverwirklicht, den viele Priester so wie in der Wiener Erzdiöcese, so auch anderswolange schon in sich trugen, nämlich: die Einführung der Lazaristenc ongregation.Am 21, Jan. d. I. ist solche zwischen Sr. fürstl, Gnaden dem hochw. Hrn. Erzbischof vonWien nnd dem hochw. Hrn. Visitator der besagten Congregation aus Paris nach vorher-gegangenen Verhandlungen definmv beschlossen worden. In Wien wird daS NoviziathauSerrichtet und bereits haben die Unterhandlungen bezüglich einer anzukaufenden Realitätbegonnen.

Nerautwortlichcr Redacteur: L, Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. Kremer,