Ausgabe 
14 (26.2.1854) 9
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65
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Vierzehnter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augslmrgcr PostMung.

26. Februar A. 1854.

Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sontttage. Der halbjährige Abounementtpret»

TV kr., wofür e« durch alle königl. bayer. PoKäuitrr und alle Buchhandlungen bezogen werde« kann.

Rudolf von Rodt,

weiland Missionär der Londoner Missionsgesellschaft ,über die Früchte seines Wirkens in Indien.

(Schluß.)

Was war natürlicher als daß Rodt einen Ort . zu verlassen wünschte, an demer sich vergeblich in Anstrengungen erschöpfte, und der ihm, trotz deS längern Aufent-haltes, ganz fremd geblieben war.Als ich zum letztenmale", schreibt er am 17. Jan.1338,durch daö Dorf zog, blickte ich mit Stillschweigen von meinem hohen Sitze"(auf eiuem Elephanten)auf die Hüttenreihen zu beiden Seiten hinunter. Kein Gefühlder Wehmuth, keine Neue stieg in mir auf; ich verließ keinen Freund, keinen Bruder,keine mir zugethane, keine das Wort Gottes liebende Seele. Mehr als ein Jahrlang halte ich das Dorf unzähligem«! besucht, kannte alle Häuser und Winkel indemselben; alle Leute, vom größten bis zum kleinsten, kannten mich, und dennochblieb es mir ein fremdes, ich möchte fast sagen, von Feinden bewohntes. DaS Evan-gelium und den Namen Jesu haben sie oft gehört, aber nicht zu Herzen genommen;sie haben nur darüber gespottet. In den Dienst derLondoner MisstonSgesellschafl"getreten, welche, den Tendenzen der demokratisch-unionistischen Niederkirchenpartei hul-digend, in strengem Gegensatz zu den Episkopalen steht, oder, wie Bouterweck sagt,den persönlichen Ueberzeugungen ihrer Arbeiter möglichst Raum läßt, und in denJndep end enten ihre Hauptvertreter hat," begab sich Rodt von Sunamuky nachCalcutta, und stand dort zunächst zu den Gemeinden in zwei benachbarten Dörfern inscelsorglichcm Verhältnisse. Aber auch jetzt sah er noch keine bessern Früchte der Mis-ston, als bei seiner ersten Anwesenheit in Calcutta.Unsere Christen," schreibt erden 15. Febr. 1842,in RÄm-lkälchok und Gangri sind sehr arme, schwache, unwissendeLente, die man mit großer Geduld tragen muß." Nachdem er hierauf die Bedrückun-gen der armen Bauern durch die großen reichen Landeigenthümer hervorgehoben, fährter fort:Ein anderes sehr großes, wohl das größte Hinderniß, daS wir zu bekäm-pfen haben, sind die verschiedenen christlichen Secten, die sich neben uns angesiedelthaben, besonders die Missionäre der bischöflichen Kirche, die uns nicht als Predigeransehen wollen, und uns sagen, wir hätten kein Recht, die Leute zu taufen, ihnendas Abendmahl zu geben und ihre Ehen einzusegnen. Und wenn wir irgend Einenum seiner schlechten Aufführung willen ausschließen, so laust er zu ihnen, und wirdoft von ihnen ausgenommen."

Mit Recht, freilich nicht in dem Sinne, wie wir meinen, nennt Rodt die Zer-splitterung der Secten das größte Hinderniß eines gedeihlichen Fortganges der Mis-sionen: dieß ist eben mit Anderm der in dem Protestantismus liegende Fluch, Secteneine Existenz zu geben, die ihn selbst am meisten gefährden und zerstören. Begreiflichist demnach unter solchen und ähnlichen principiellen Hemmnissen, wenn Rodt am