Ausgabe 
14 (26.2.1854) 9
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7. Jan. 1843 schreiben konnte:Ich habe dieses Jahr fünf oder sechs neue Gliederin die Gemeine aufgenommen." Wie tief er selbst dabei diese in der sectischen undindividuellen Zersplitterung deS Protestantismus begründeten Schäden fühlte, sprichter bei einer andern Gelegenheit aus, indem er, von seinemmonarchischen" Verhält-nisse zur Gemeinde redend, sich dahin äußert:Die Verfassung der Gemeinen istNebensache, die Einheit der Gemeinen aber eine Hauptsache." Ja, die Einheit!Wie sollte sie sich aber auf protestantischem Boden, ohne daß man sich in seinen Prin-cipien ausgäbe, ermöglichen lassen?

Dieselben traurigen Erfahrungen, wie an den beiden ersten Orten seiner Mis-stonSihätigkeit, begegneten Rodt auch aus einer Reise im nordöstlichen Bengalen, dieer in Begleitung zweier Protestantismen Hindus machte, deren Tagebücher theilweisein das seinige aufgenommen sind. Der eine derselben berichtet über ihren Aufenthaltzu KriSnogor, wo ein deutscher Missionär, Namens Dürr, seit ungefähr zwanzigJahren sich aufhielt, unter Ander», Folgendes:

Hierauf ging ich zu Herrn DürrS Hause. Vor demselben fand ich zehn biszwanzig Christen, die unter einem Baume in der Bibel lasen. Ich setzte mich zuihnen und fragte sie: Brüder, versteht Ihr das Evangelium, das Ihr leset? Sieantworteten: Freilich; wie könnten wir, wenn wir cS nicht verständen, Andere darinunterrichten? Ich: Brüder, was hat der Herr für unS gethan? Sie: Er kam insFleisch, uns zu erlösen. Ich: wie können wir Theil haben an der Erlösung, die erfür uns erworben? Sie: Wenn wir seine Gebote halten, wenn wir die Sünde ver-lassen, wenn wir zu ihm beten. Ich: Reicht unsere Kraft hin, dieß zu thun? Sie:Allerdings; denn unser Herz steht unter unserer eigenen Aufsicht; wir können seineNeigungen und Begierden nach unserm eigenen Willen leiten; denn wir z. B. warenHindus, jetzt aber haben wir unser Herz geneigt gemacht, die Religion Christi anzu-nehmen. Ich fragte weiter: Welches ist die wahre Religion? Sie: Das können wir,ohne vorherige Prüfung, nicht sagen. Ich entgegnete: Dann scheint eS, daß Ihr ohnevorherige Prüfung Christen geworden seyd? Sie sagten: Viele Dörfer sind christlichgeworden; wir haben eS gemacht, wie sie. Ich fragte noch weiter; aber zuletztwurden sie böse und sagten: Wir können nicht unser Lesen ausgeben und beständig mitDir schwatzen."

Nicht geförderter, sagt Bouterweck , scheinen auch diejenigen gewesen zu seyn,von welchen Rodt unterm 12. Nov. berichtet:

Um vier Uhr erreichten wir einen Ort, von wo der Wohnort des Herrn A.(eines Missionärs) nur eine Meile entfernt war. Ich gab daher Befehl, das Bootanzuhalten, und ging allein über Feld, ihm einen Besuch zu machen. Unterwegsmußte ich über eine., kleinen Fluß; eiu Mann zeigte mir die Furt. Er sagte mir, ersey ein Christ, und wieß auf mehrere andere Bauern hin, die im Felde arbeitetenund, wie er sagte, alle Christen wären. Ich fragte ihn: Warum seyd Ihr Christgeworden? Er antwortete ehrlich: DeS Geldes wegen. Ich: Wie Viele sind Christengeworden? Er: In diesem und in den benachbarten Dörfern bei hundert Familien.Ich fragte zum zweiten nnd zum dritten Male: Warum seyd Ihr Christ geworden?und erhielt immer dieselbe Antwort. Aus meinem Rückwege ging ich durch ein Dorf,dessen Bewohner sämmtlich, drei bis vier Häuser ausgenommen, Christen gewordenwaren. Ich rief einige herbei und fragte sie: Warum seyd Ihr Christen geworden?Sie antworteten: Weil wir glauben, daß daS Christenthum wahr ist! Was habt Ihrgewonnen und was werdet ihr künftig noch dadurch gewinnen, daß Ihr Christengeworden seyd? Anfangs antworteten sie nicht; dann sagte einer von ihnen: Wir wer-den den Himmel gewinnen- Als ich sie insgesammt fragte: Könnt Ihr lesen undschreiben? antworteten sie: Nein. Frage: Wer ist Christus? Antwort: Wir habenvon Rischi (d. i. ein Heiliger) gehört; wir wissen aber nicht, wer er war und waser gethan hat. Frage: Habt Ihr von seinem Tode gehört? Antwort: Wir wissennichts davon. Frage: Seyd Ihr getauft worden? Antwort: Nein; Niemand hier istgetauft worden, ausgenommen diejenigen, welche die zehn Gebote und den Glauben