67
wissen, — Ich ging weiter und traf einen alten Mann, der mir sogleich ungefragtsagte, er sey ein Christ, Ich fragte ihn: Warum seyd Ihr Christ geworden? Antwort:Weil Andere es geworden sind."
Aehnlichc Erfahrungen, und insbesondere ein die fürchterlich entsittlichendenFolgen dieser Christenm^cherei recht prägnant charakterisirendeS Gesprach mit einemvagabundirenden Bettelmusicanten, der auch „Christ' geworden war, erzählt daS Tage-buch des andern Begleiters Rodts: „Frage: Ihr habt ein musicalischeS Instrument,macht Ihr vielleicht Musik und singt Lieder? Antwort: Ja; mit Hindus singe ichHindulieder und mit Christen christliche Gesänge, Ich sagte: Zwei Herren zu dienenist Sünde. Antwort: DaS läugne ich nicht. Ich: Ist eö recht, wissentlich zu sün-digen? Antwort: Unser Batet Adam hat gesündigt, warum sollten wir nicht sündigen?"„Unier ähnlichen niederschlagenden Erfahrungen", fügt Bouterweck diesen Mittheilungenbei, „euchalten die Tagebücher auch einzelne Beispiele eines wirklichen Verlangensnach Belehrung, und mehr als einmal hatten die drei Prediger Gelegenheit, bei ihrenStraßenpredigten die Aufmerksamkeir der versammelten Heiden und Muhamedcmer zubewundern. Viele Tractate, auch ein paar Evangelien an zwei Brammen, wurdenverlheilt; manchmal aber wurde das Anerbieten zurückgewiesen, oder die berei'S ange-nommenen Tractate zurückgegeben." —Fürwahr ein schlechter, armseliger Trost, nichtsals ein paar einzelne Fälle, auS denen vielleicht eine aufrichtige Konversion werdendürfte, und ein bischen Aufmerksamkeit bei einer durch die Neuheit der Erscheinungohnedem anziehenden Siraßenpredigt — als kümmerliche Beweise einigen Erfolgesvorbringen zu können!
So weni^ Rodt selbst sich über die Erfolglosigkeit des MissionSwerreS täuschte,so unangenehmen Eindruck scheint sein ungeschminktes und unbefangenes Urtheil inGenf und London gemacht zu haben, wo man eher dem Manne, als — der Sachedie Mißerfolge zuzuschreiben geneigt war. „Meine Genfer Freunde", schreibt er unterdem 3l, März 1839, „schweifen völlig, und Wenger hat mir geschrieben, daß sie mitmir unzufrieden seyen, mich im Irrthum begriffen glauben. — Ich glaube, meinIrrthum besteht darin, daß ich ihnen das Werk in Indien dargestellt habe, wie eswirklich ist, ohne eS auSzumaleu oder zu verschönern ; daß ich Ihnen gesagt habe,wie so wenig von den Wirkungen des Geistes Gottes hier sichtbar, wie viele Jndiernm zeitlichen Gewinnes willen Christen werden, oder doch wenigstens um in der Weltbefördert zu werden; wie in einer nur sehr geringen Anzahl wahre Frömmigkeit zusehen ist. Wenn ich dieß AlleS gesagt habe, so muß ich es wiederholen und bestätigen.Wollte Gott , ich wäre im Irrthum!" Daß Rodt nicht im Irrthum war, noch dieZustände zu schwarz sah, bewieß der traurige Fortgang der Mission freilich täglichhandgreiflicher; ihre Resultate in den folgenden Jahren waren nicht um daS Geringsteerfreulicher, vielmehr noch niederschlagender. DaS „Reich Gottes" nehme in Indienseinen „stillen, langsamen Gang" — tröstet sich Rodt unterm 16. Dec, 1341 und18, April 1842; doch a^r ist dieser Gang ihm selbst für seine Ungeduld wieder zulangsam; „denn wenige, sehr wenige Seelen bckchren sich, und unter denen, diesich zu Christo bekennen, sind viele Heuchler, Viele, deren Banch ihr Gott ist."Zuweilen scheint eS ihm, daS Reich GotteS gehe nicht bloß langsam und stille, eSgehe vielmehr rückwärts. „Zwei große Hindernisse", klagt er dann, „stehenihm im Wege: die Secten und die Zwistigleiten, die daS Volk GotteS zertrennen unddie Feinde zum Glauben verleiten, eS sey daS Reich Christi mit sich selber uneinS,und könne nicht bestehen (sie!) — und dann der Geiz und die Geldsucht der Hindus,die an dem Reichthum der englischen Christen nur zu leicht Nahrung findet, und siein die fast unwiderstehliche Versuchung führt, derjenigen Partei sich anzuschließen, diedie reichste ist und die meiste Unterstützung verspricht. Und einige unserer (falschen)Brüder sind niederträchtig genug, durch Geld die Glieder anderer Gemeinen anzu-locken und zu verführen, und Viele haben sich verführen lassen,"
Begreiflich ist'S hiernach, wenn eS unter dem 16. Dec. 18-42 weiter heißt:.Die Kirche GotteS ist hier in keinem blühenden Znstande. Freilich ist die Zahl der