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Christen nicht unbedeutend. Ich glaube, sagen zu dürfen, daß in der Provinz Ben-galen allein sich etwa 10,0<Zt) eingeborne Christen befinden, oder wenigstens Solche,vie sich zum Christcnthume bekennen; denn wahre Christen gibt es äußerst wenige.Gott allein kennt die Herzen; aber ich zweifle, cb mehr als 500 Christen unterjenen 10,000 zu finden sind." Warum hätte auch in den vier bis fünf Jahrenwährend Rodt dort lebte und zu wirken suchte, ein Umschlag zu günstigen Resul-taten hervortreten sollen, nachdem seit vierzig bis fünfzig Jahren alle Anstrengungenganz erfolglos geblieben waren. Rodt selbst äußert sich den 17. Der. 1842 darübermit einem merkwürdigen Beispiel:
„Am Ende des vorigen Jahrhunderts wurde zu Tschinsura (unweitCalcutta) eine MissionSstation gegründet, die seither immer von zwei, drei bis vierMissionären besetzt blieb, die, so viel ich weiß, Alle mit Eifer das Evangelium inden Gassen und aus den Marktplätzen unzählige Male verkündigt haben. Und wasfür Frucht haben ihre mehr als vierzigjährigen Arbeiten getragen? Antwort:„„Gar keine."" Nicht ein einziger Jndier wurde je in Tschinsura bekehr?,während drei ober vier Missionäre dort ihr Grab gefunden haben, — So geht eSauch mir: Hundert und tausend Male habe ich das Evangelium verkündigt, unddoch noch wenig Frucht meiner Arbeit gesehen. Habe ich deßwegen den Muth ver-loren? Over sage ich dieß, um Sie zu betrüben? Das sey ferne!
ES ist mir nur daran gelegen, die Wahrheit zu reden, und meinen Freundenin der Schweiz die Mission in Bengalen in ihrem wahren Lichte darzustellen.DaS Gemälde ist schwarz und traurig; doch hat cS auch seine Lichtpuncte, wie ichIhnen sogleich zeigen werde."
Und welches sind nun diese Lichtpuncte? Man höre! 5000 Eingeborne styensüdlich von Calcutta seit zehn Jahren übergetreten, „von denen hoffentlich wenig-stens der zehnte Theil aufrichtige Bekenner seyen;" 400 davon habe Rodt zu beauf-sichtigen, unter denen ihn einige Wenige durch ihren christlichen Wandel erfreuten;auch habe er im letzten Jahre ungefähr zwanzig neu aufgenommen! Von 5000 sollenalso 4 bis 500 aufrichtige Bekenner seyn, und von diesen Letztern einige Wenige(hier haben die „Hist.-pol. Blätter" Herrn Rodt offenbar mißverstanden; nicht von den4 bis 500 aufrichtigen Christen sollen nur Wenige einen christlichen Wandel führen,sondern von den 400 Namenschristen, welche Herr Rodt zu beaufsichtigen hatte. Inder Hauptsache wird damit freilich nichts geändert) einen christlichen Wandel führen!Der gute Rodt hat, wie man sieht, um seinen Genfer Patronen auf dem schwarzenHintergrunde doch auch einige „Lichtpuncte" vorzuführen, in gutmüthiger Selbst-täuschung eine große Zahl in den Mund genommen, die sich aber durch seine eigenenRestriktionen auf einige wenige Christen reducirt. Und daß auch diese nicht einmalcum Zi-imo sslis gezählt seyen, legt RodtS eigenes, fast am Ende seiner Laufbahn,unter dem 7. Jan. 1843, abgegebenes Zeugniß nur zu nahe: „Wir inüssen säen inHoffnung und mit Thränen. M. sagt mir in seinem letzten Briefe, ich solle nurwohlgemuth seyn, — daß wir ja die Bekehrung aller unserer Zöglinge gar nichterwarten können, und daß ja nur ein Viercheil des Samens, von dem im Evangeliumdie Rede ist, gedieh und Früchte trug. Ich antworte: Daß selbst ein Viertheil meinerZuhörer sich bekehren sollte, so viel habe ich nie erwartet; daß Einer von Zehn esthun sollte, ist mir auch nie in den Sinn gekommen; aber daß Einer unter Zehn-tausenden es thun sollte, und daß wenigstens Einer oder zwei oder drei unter denTausenden, denen ich gepredigt habe, zum Christenthum übertreten würden, so vielhabe ich erwartet: allein ick habe mich getäuscht."
Doch der entsetzlichste Flnch, der auf diesen sonst erfolglosen Anstrengungenlastet, ist die concedirie Thatsache, daß die sittliche religiösen Zustände der also missio-nirten Länder noch trauriger, verderbler und verrotteter werden, a!S sie waren; daßnicht allein keine Anhänger, sondern erbitterte Feinde des Christenthums herangezogenwerden, die in demselben Maaße, als sie dem Heidenthume den Rücken kehren, anstarkem Geist gegen alle Religion und alles Sittengesetz wachsen. Daher klagt denn